1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Ich war neugierig. Mein späterer Mann, von Beruf Anästhesist, hatte mich zu einer Erfahrung mit einer herzöffnenden Substanz eingeladen. Ich habe ihm sehr vertraut und konnte mich der Erfahrung ganz hingeben. Mir eröffnete sich die Vision, wer ich als Wesen gedacht war: Liebend und zärtlich zu mir selbst, einfach und unschuldig. Eine alleinstehende, kraftvolle Frau. Das wurde meine Ausrichtung für mein weiteres Leben.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Meine Probleme waren meine Abhängigkeit von Alkohol und Nikotin und ich hatte Panik und Zwänge. Ich war für meine Kinder und Mitmenschen nicht erreichbar, war verpanzert und hatte seit 20 Jahren nicht mehr geweint. Verhaltenstherapie und Gesprächstherapie konnten mir nicht helfen. Die Psycholyse löste Schicht um Schicht meine Verpanzerung auf. Die Traumata aus meiner Kindheit wurden sichtbar und fühlbar. Das bearbeitete ich mit einer Körper- und Atemtherapeutin. Dadurch habe ich Heilung erfahren. Mein Körper nimmt heute mehr wahr, es entstehen Kontakt und Nähe zu anderen Menschen, ich fühle, was falsch und was richtig für mich ist, ich verantworte mein Handeln.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Die beiden Therapeuten, die ich kennen gelernt habe, Samuel Widmer und Danièle Nicolet, sind beide makellos im Umgang mit Menschen. Die Liebe bildet die Grundlage ihrer Arbeit. Sie leiteten mich an zu Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Ich plädiere dafür, ausgewählte Substanzen zur psycholytischen Arbeit für Ärzte und Psychotherapeuten frei zu geben. Die Forschung zeigt: „LSD hilft gegen Alkoholsucht“ in SPIEGEL ONLINE vom 9.3.2012: www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,druck-820313,00.html

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

Wenn ich früher abgegrenzt und isoliert war, bin ich heute gesund und lebendig. Ich genieße es, Großmutter zu sein, und lebe heute vielfältige Beziehungen in einer aufblühenden Lebensgemeinschaft.

Carla Dörrenhaus (59), Ergotherapeutin