1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Als ich die Psycholyse kennenlernte, ging es mir schlecht. Ich hatte bereits bei zwei Psychotherapeuten erfolglos nach einem Weg zur Heilung gesucht und hatte die Hoffnung auf eine wirksame Therapie schon ziemlich aufgegeben. Ein Freund schenkte mir ein Buch von Danièle Nicolet-Widmer. Berührt von ihrer Geschichte las ich auch Bücher von Samuel Widmer über die Hintergründe psychischer Leiden und deren Heilung durch Rekapitulation und das Annehmen unserer Gefühle. Endlich hatte ich gefunden, wonach ich gesucht hatte und konnte verstehen, was mit mir los war. Ein Tor hatte sich aufgetan. Ich machte in der Praxis von Samuel Widmer Gesprächspsychotherapie und vertiefte den Heilungsprozess später mit Hilfe psycholytischer Mittel.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die Psycholyse ermöglicht mir eine untrügliche, nichts beschönigende, ganzheitliche Wahrnehmung von Wirklichkeit mit allen Sinnen. Durch die Psycholyse fand ich einen Zugang zu bisher verdrängten Gefühlen und bekam tiefen Einblick und Verständnis meiner und damit auch der allgemein menschlichen Probleme – Einsichten, die mein Leben grundsätzlich veränderten. Ich konnte meine Lebendigkeit aus der Depression und Anpassung befreien, entdeckte meine Lebensfreude und -kraft wieder, fand echte, unverbrüchliche Freundschaften und ein Zuhause in unserer Lebensgemeinschaft für immer. Ein Leben miteinander und füreinander erwächst daraus. Aus einem Zustand der Verwirrung fand ich auf den Weg der Liebe zurück.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Die erweiterte Wahrnehmung, welche die psycholytischen Hilfsmittel bei seriöser Anwendung und gemäss ihrer biochemischen Wirkung ermöglichen, lässt einen im Gegenteil alles klarer erkennen; so auch Grenzen, Unechtes oder eigennützige Machtansprüche. Ich selber habe nie so untrüglich die unterschiedlichen Motivationen, aus welchen sich jemand ausdrückt und handelt, wahrnehmen können, wie mit Unterstützung von psycholytischen Hilfsmitteln.

Dennoch ist nicht per se garantiert, dass diese Mittel zum einen nicht auch von egoistisch motivierten und unfähigen Menschen angewendet werden und zweitens, dass jeder dies auch erkennen kann. Denn um unlautere Motive zu erkennen, ist der Verzicht auf Abhängigkeit und ein Sehen-wollen der Wirklichkeit unablässig. Ich schätze das Risiko des Machtmissbrauchs und der Grenzüberschreitung bei Psycholysetherapeuten aus bereits erwähnten Gründen und gemäss eigenen Erfahrungen als viel geringer ein, als bei manch anderen Therapeuten, die ihre Patienten teilweise über Jahre in einer Abhängigkeit halten.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Gerade jene Hilfsmittel mit den geringsten Nebenwirkungen, die den grössten Raum aufmachen können, sind leider verboten und dürfen daher nicht für die Therapie genutzt werden. Das ist sehr schade und eine Beschneidung der jedem zustehenden Freiheit und Selbstverantwortung, sich zu entwickeln und dazu hilfreiche Mittel nutzen zu dürfen, wie dies unsere Vorfahren seit Jahrtausenden machten.

Vermutlich liegt gerade im Potential dieser Mittel der Grund ihrer Illegalität. Denn eine verbreitete Anwendung hätte unter anderem massive Konsequenzen in Bezug auf unsere gesellschaftlichen Strukturen zur Folge. Wir würden zum Beispiel eine gerechtere Verteilung der Güter schaffen. Und ein komplett anderes Geldsystem. Das macht Angst. Das Verbot sehe ich als Versuch, diese ohnehin anstehenden Veränderungen zu verhindern.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

Psycholytische Hilfsmittel werden häufig von den Gegnern als Drogen und deshalb als gefährlich bezeichnet. Meine Erfahrungen zeigen das Gegenteil: Ich habe meine eigene Abhängigkeit von legalen Drogen wie Zigaretten und den übermässigen Alkoholgenuss mit Hilfe der Psycholyse beenden können und führe seither insgesamt ein viel gesünderes Leben. Auch bei vielen anderen habe ich miterlebt, wie sie durch die Psycholyse aus ihrem süchtigen Konsum von legalen und illegalen Drogen aussteigen konnten und diesen Ersatz für echtes Glück nicht mehr brauchen.

Cristina Zotter (47), Erziehungs- und Familienberaterin