Persönlich in unseren Beziehungen und auch in der Welt geraten wir Menschen immer mehr in eine Sackgasse. Die individuellen und kollektiven Probleme lassen sich mit unseren Konzepten nicht mehr lösen. Die Psycholyse kann uns in dieser verfahrenen Situation eine neue Ausrichtung geben, die uns hilft, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mir hat sie geholfen, verschüttete Wahrheiten wieder ans Licht zu bringen: dass ich ein offenes Herz haben kann, dass ich Mitgefühl haben kann, dass ich das Faktum des Einsseins mit Mensch und Natur nicht nur denken sondern auch fühlen kann. Diese Einsichten lassen einen nicht mehr los. Man ist unausweichlich ein Leben lang damit beschäftigt. Das kann einem natürlich auch Angst machen. Aber was kann einem besseres passieren, als dass man sich mit der Wirklichkeit konfrontiert? Ich habe es mit der psycholytischen Erfahrung in meinem Leben so erlebt, dass ich mich mehr und mehr für die Bewegungen des Lebens entscheide. Das konfrontiert mich immer wieder auch mit schwierigen Gefühlen und Auseinandersetzungen, aber es bringt doch mehr Glück und Sinnhaftigkeit in mein Leben.

Psycholyse ist für mich keinesfalls gleichzusetzen mit der Einnahme bewusstseinserweiternder Sustanzen. Psycholyse ist vor allem auch ein (wichtiger) Teil einer Lebenshaltung, die das Lebendige und Wahrhaftige in allem und jedem hervorbringen will. Dazu braucht es einen liebenden gewissenhaften Umgang mit diesem potenten Hilfsmittel. Ich bin sehr glücklich darüber, in meinem Leben auf Menschen getroffen zu sein, die den Umgang damit verstehen und wünsche das auch allen ernsthaften Suchern unserer und kommender Zeiten.

Dass es Menschen gibt, die aus falschen Motivationen diese Mittel benutzen oder grobe Fehler machen ist kein Beweis dafür, dass das Mittel unbrauchbar ist. (Man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, die Chirurgie anzuzweifeln, weil ein Chirurg grob fahrlässig oder aus Eigennutz heraus handelt.)

Kurz: Die geeigneten Substanzen und der richtige Einsatz sind ein Hilfsmittel, um sich dem Leben und der Wirklichkeit zu stellen und nicht, um diesem zu entfliehen. Zum Entfliehen gibt es ebenfalls „geeignete Hilfsmittel“. Die Liste der menschlichen Süchte ist lang…

Friedrich Aldrup (47), Tischler