1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Meine erste Erfahrung mit Psycholyse ist nun bald 15 Jahre her. Eine Bekannte hatte mir davon erzählt und ich hatte das Buch „Ins Herz der Dinge lauschen“ von Samuel Widmer gelesen. Ich wollte zum einen wissen, ob es wirklich möglich ist, Liebe so zu erfahren, wie es dort beschrieben ist. Und ich war gleichermaßen neugierig auf eine möglicherweise so tiefe Erfahrung als auch voller Angst vor einem Kontrollverlust. Dazu kam, dass ich psychische als auch körperliche Probleme hatte. Ich war seit Jahren alleine und ohne Beziehung und wünschte mir zwar Partnerschaft, Sex und Nähe aber hatte auch so große Angst davor. Und ich hatte immer wieder große körperliche Schmerzen, welche die Schulmedizin nicht erklären konnte.

Ich hatte ca. 15 Jahre zuvor mit Anfang Zwanzig eine Psychoanalyse gemacht. Aufgrund von Angstzuständen war mir das empfohlen worden und ich hatte keine Ahnung von Therapie und hatte das dann für drei Jahre drei bis viermal die Woche gemacht. Diese Psychoanalyse hatte mir zwar dadurch, dass sie mir einen äußeren Rahmen gab, geholfen, irgendwie zu überleben, aber innerlich hatte sie mich noch misstrauischer und kontaktloser gemacht. Psychoanalyse ist für mich eine unmenschliche Methode – ich lag auf der Couch, hinter mir saß der Analytiker und sagte meistens überhaupt nichts und wartete, dass ich spreche. Ggf. kam dann Kritik oder Ablehnung – besonders in Bezug auf meine Sexualität -, aber das war es dann auch. Kein Mensch in dessen Gesicht man schauen konnte, keine Wärme, kein Mitgefühl, kein Kontakt. Alleingelassen in einer Methode des 19. Jahrhunderts, und heute würde ich nach all den Erfahrungen auch sagen: Ich war alleingelassen mit der unbewussten Angst des Psychoanalytikers, mit seiner Abwehr vor dem lebendigen Menschsein. Ich wollte danach nie mehr wieder Therapie machen. Die Psycholyse war dann eine vollkommen andere Erfahrung. Sie hat mir mein Leben, meine Lebendigkeit zurückgegeben.

 

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Meine erste Erfahrung, meine erstes psycholytisches Ritual, war für mich so überwältigend und ganzheitlich, dass es mein ganzes Leben geändert hat. Es schenkte mir Einsicht und Erkenntnis von tiefen menschlichen und universellen Zusammenhängen als auch Einblicke in die Zusammenhänge meines Lebens. Das brachte Änderung in mein Leben – ich begann aus mir heraus Stück für Stück mein Leben zu verändern. Obwohl das eine ganze Weile dauerte, war es tiefgreifend. Ich begann auf meinen Körper wieder zu achten, trank z.B. weniger Alkohol. Nach einiger Zeit lebte ich wieder meine Sexualität und konnte dann auch eine Partnerschaft eingehen. Ich stellte meinen Beruf um, wurde Therapeut und schließlich wurden meine Schmerzen weniger und verschwanden. Ich wurde und bin wieder lebendig! Diese ganzen Schritte wurden begleitet von Psycholyse – das verdanke ich der psycholytischen Psychotherapie. Und mein Dank gilt auch dem Lebendigen in mir, dem, was mich hat dran bleiben lassen, durch all die Angst und die Verunsicherung zu gehen. Und weiter gilt mein Dank jenen, die diese Psychotherapie geführt haben.

Der Unterschied der Psycholyse zu anderen Therapien ist, dass sie viel tiefer gehen und wirkungsvoller sein kann, als herkömmliche Therapien. Sie weckt das verborgene Lebendige. Jede Therapie setzt ein Wollen voraus und eine gewisse Eigenverantwortung. Das ist bei der Psycholyse auch Voraussetzung. Wenn du dich nicht ändern willst, dann nutzt dir keine Therapie – so der so. Die Psycholyse zeigt dir das in der Regel schneller – sie konfrontiert dich mit dem, was die Wahrheit in deinem Leben ist, mit deinen ureigenen Gefühlen. Wenn du damit bereit bist zu sein und zu arbeiten, dann hilft sie dir auch relativ schnell, wieder einen Weg ins Leben zu finden. Mir haben dazu drei bis vier psycholytische Sitzungen pro Jahr genügt. Somit ist die Psycholyse auch viel effizienter als eine herkömmliche Therapie.

Die Psycholyse arbeitet teilweise mit verbotenen Substanzen. Das erfordert noch mehr die Übernahme von Selbstverantwortung. Es gab und gibt Menschen, die ihre eigenen Gefühle und ihr selbstgewähltes Leben nicht haben wollen, die diese Verantwortung für sich selbst nicht tragen wollen. Diese Menschen werden dann zu Verräterinnen und Erpresserinnen. Sie gehen dann zur Polizei und ziehen vor Gericht, weil sie die Verantwortung für das, was sie tun und fühlen, nicht tragen wollen. Das ist auch noch ein Unterschied zu herkömmlichen Therapien. Damit ist man konfrontiert, wenn man Psycholyse macht. Und noch ein Unterschied: Psycholyse führt weit über Therapie von Krankheit hinaus. Sie ist eine Unterstützung für das Lebendige, für das Leben überhaupt.

 

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Ich persönlich habe in der Psycholyse keine Erfahrungen mit Machtmissbrauch und Grenzüberschreitung gemacht. Im Gegenteil habe ich einen äußerst achtsamen und stimmigen Umgang damit erlebt. Und ich hatte auch ein tiefes Lernen, was Missbrauch und Grenzen sind und was Freiheit ist und wie ich mein eigenes Leben gestalte und führe, um andere zu respektieren. Diese tiefen positiven Erfahrungen, dieses Erlernen von Respekt und Liebe und Freiheit liegt vor allem auch an meinen psycholytischen Erfahrungen bei und mit Samuel Widmer. Andererseits kann ich mir aber – wie bei jeder anderen psychotherapeutischen Methode – auch hier Missbrauch etc. vorstellen. Vor allem dann, wenn die Menschen, die das machen bzw. leiten, unreif sind und ihre eigenen Gefühle nicht kennen.

 

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Das Verbot von Substanzen, die in der Psycholyse zum Einsatz kommen können, ist eine Gefahr für die Menschen, die Psycholyse machen. Deshalb, weil man die Qualität der Substanzen nicht so gut kontrollieren kann. Das ist im Übrigen ein Problem von allen Drogen, die verboten sind. Abhängig machen Substanzen, die im Rahmen der Psycholyse genommen werden, aus meiner Erfahrung nicht. Im Gegenteil wurde ich dadurch in meinem Leben nüchterner. Psycholyse beinhaltet oft zu tief greifende Erfahrungen um sie sofort wieder haben zu wollen. Es geht nicht um Angenehmes oder Verdrängung und Benebelung sondern um Selbsterkenntnis und um Einsicht in das Ganze.

Missbrauch von Drogen wird nicht durch Verbote verhindert. Das ist mittlerweile wissenschaftlich und praktisch erwiesen. Illegalität schafft nur mehr Kriminalität, Krieg und mehr Leiden und Krankheit – beim Endnutzer als auch global. Eine (ggf. kontrollierte) Abgabe von sauberen und qualitativ hochwertigen Substanzen ist die Lösung. Die Verantwortung muss dem Nutzer der Drogen überlassen werden, wie z.B. bei den heute am meisten schädlichen Drogen Alkohol und Tabak, die absurderweise legal sind. Das würde letztlich ganz Mittelamerika befrieden und auch z.B. den Taliban einen Teil ihre Einkünfte wegnehmen und so Gewalt und Terror mindern. Diese Zusammenhänge kann man im Übrigen einfach recherchieren, wenn man will!

Heinrich (50), Psychotherapeut