1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Meine erste Erfahrung mit Psycholyse habe ich vor fast 20 Jahren im Rahmen einer Therapie gemacht. Ich hatte damals eine Depression, die sich auch nach einem Aufenthalt von beinahe 12 Wochen in einer Klinik wenig gebessert hatte. Meine Therapeutin machte mich auf diese Möglichkeit aufmerksam und vermittelte mir die Sitzung. Meine erste Sitzung fand auch in einem therapeutischen Setting statt: Ein Therapeut betreute mich über die gesamte Zeit der Erfahrung und stand mir auch danach für die Integration zur Verfügung.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die Psycholyse – damals war die eingesetzte Medizin MDMA – ließ mich zum ersten Mal in meinem Leben bewusst einen Zustand der Entspannung und „Ungefährlichkeit“ erleben. Ich konnte meine Problemfelder viel mutiger anschauen, als in vielen Sitzungen zuvor und fand im Anschluss Mut, das Erfahrene und Verstandene auch im Alltag umzusetzen. Seitdem habe ich immer wieder erlebt, dass die Psycholyse ein hervorragendes Mittel ist, genau hinzuschauen, genau in den eigenen Wahrnehmungen zu werden und die Angst vor den eigenen inneren Dämonen zu verlieren. Dazu braucht es ein Setting, in dem ich jederzeit wissen kann: ich kann mit meinen Fragen kommen und finde direkt einen kompetenten Gesprächspartner.

Sicher gibt es andere Methoden, die ebenfalls sehr tief gehen und Möglichkeiten eröffnen, die uns sonst verschlossenen inneren Räume zu betreten (Bonding, Holotropes Atmen, auch ein Zen-seshin kann ganz ähnliche Erfahrungen bringen). Wobei mir allerdings die Psycholyse besser als alle anderen Methoden geholfen hat, ist, meine Depressionen in den Griff zu bekommen. Ich habe zwar immer noch zyklisch wiederkehrend Phasen von Depressionen, aber dank der Erfahrungen aus der Psycholyse bin ich den Depressionen und meinen Ängsten viel weniger ausgeliefert als früher. Andere Therapien haben zum Ziel, den Patienten wieder funktionsfähig zu machen. Psycholyse geht da weiter – es geht nicht nur um die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit im Alltag, sondern darüber hinaus um eine Heilung der Probleme an der Wurzel. Ich habe erfahren: das funktioniert.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Dazu kann ich nur sagen: Ich habe das nie erlebt. Allerdings habe ich auch darauf geachtet, nur mit Menschen zu arbeiten, die eine gediegene therapeutische Erfahrung und Ausbildung haben, von denen ich wusste, dass ich Ihnen in jedem Fall vertrauen könnte. Niemand hat mir je Wunder versprochen, niemand hat mich dabei je angelogen oder Beziehungen ausgenützt.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Ich finde es falsch und schade. Gerade für depressive Menschen wie mich ist die Erfahrung der Psycholyse überaus heilsam. Sie ist ein großartiges Hilfsmittel im therapeutischen Prozess.

Hinrich George (60), Therapeut/Trainer