Psychedelische Gesellschaft Deutschland

Seit dem 14. Juni 2016 gibt es die Psychedelische Gesellschaft Deutschland (PGD), seit dem 30.03.2017 als eingetragener Verein. Ihre Aufgabe ist die Verbreitung von Wissen über die sinnvolle und heilsame Verwendung von Katalytika und deren Wirkungen. Mit der Gründung dieses Vereins möchten wir der Vision eines unschuldigen und selbstverständlichen Umgangs mit diesen Hilfsmitteln folgen und uns mit gleichgesinnten Menschen und Strukturen verbinden. Gruppierungen wie diese gibt es auf der ganzen Welt, und die Erforschung dieser Substanzen erlebt zur Zeit eine erstaunliche Renaissance. Eine weltweite und ständig aktualisierte Übersicht über die Psychedelischen Gesellschaften findet sich hier: http://psychedelicsociety.global/

Zu den Tätigkeitsfeldern des Vereins zählt die Unterstützung von Bemühungen, die Gesellschaft über die sinnvolle Verwendung von Katalytika aufzuklären, um deren Nutzen zu mehren und Schaden abzuwenden. Dies umfasst ihre Verwendung in einem strukturierten Rahmen für psychotherapeutischen Behandlungen (psycholytische/psychedelische/substanzgestützte Therapie, Psycholyse), als Werkzeug zur Selbsterkenntnis, Persönlichkeitsentfaltung und geistigem Wachstum. Wir wollen sowohl die wissenschaftliche Erforschung weiter anregen und nach unseren Möglichkeiten mittragen, als auch die Erfahrungen der psychedelischen Subkultur erforschen und für alle Interessierten nutzbar machen.

Neben der prinzipiellen Aufklärung über die auch von wissenschaftlicher Seite durch viele Studien gestützte Annahme zu den positiven Effekten katalytischer Substanzen geht es der PGD auch darum, auf eine kritische gesellschaftliche Fehlentwicklung aufmerksam zu machen. Seit vielleicht 30 Jahren hat sich aufgrund des Verbots gewisser Entaktogene und Psychedelika ein Segment im psycho-spirituellen Lebenshilfemarkt gebildet, welcher in Deutschland durch Unglücksfälle negative Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit erlangt hat. Sowohl der tragische Tod zweier Patienten 2009 in Berlin als auch eine Massenvergiftung 2015 in Handeloh haben psychedelische Therapien in den Verruf gebracht, ein generell gefährliches – ja sogar tödliches Risiko darzustellen. In hunderten klinischen Anwendungen hingegen kam es nie zu einer derartigen Situation und in einem legalen Rahmen könnten solche Risiken weitestgehend ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass die Verschwiegenheit und das illegale Klima dieser Angelegenheit jedwedem Anspruch an heilsame Prozesse grundsätzlich zuwiderläuft. Diese Situation muss sich ändern. 

Viel Arbeit liegt vor uns. Massive politische Hürden, mangelnde Offenheit der Gesellschaft und jede Menge Verwirrung rund um das Thema Drogen stehen unserem Anliegen entgegen. Wir wollen uns aber nicht zu sehr mit den Hürden beschäftigen, sondern mehr mit ihrer Überwindung. Dazu gehört eine beharrliche Aufklärung und Dokumentation über die heilsamen und erhellenden Erfahrungen, die uns diese Substanzen bei einem richtigen Umgang schenken können, und wie diese ins Leben umzusetzen sind. In dieser Phase ist es vor allem der Mut, sich dem Tabu rund um dieses Thema zu stellen und ohne Scheu die gewonnenen Erkenntnisse, welche aus diesen Erfahrungen resultieren, in die Öffentlichkeit zu tragen.

Zur Haltung dieser Vereinigung gehört, dass sie die Benutzung psychotroper Substanzen nicht illusionär als eigentlichen Weg verkennt, sondern sie als potente Werkzeuge betrachtet, die nicht nur für die an psychischen Störungen leidenden, sondern auch für gesunde Menschen hilfreich können. Natürlich darf man nicht dem Irrtum verfallen, dass diese Mittel bei jedem Menschen gleich wirken, und dass jeder den gleichen Nutzen daraus ziehen kann. Es ist nämlich viel wichtiger, was wir mit den Substanzen anstellen, als was diese mit uns machen. Dieser Umstand bezeichnet zugleich eine vom üblichen Paradigma abweichende Herangehensweise an die Erforschung von Medikamenten. Betrachtet man normalerweise deren Wirkung möglichst unabhängig von anderen Einflussfaktoren, sind diese bei der Wirkungsweise von Psychedelika absolut entscheidend. Die Umstände und die eigene Haltung gegenüber diesen Mitteln sind also ein zentraler Faktor bei der Beurteilung ihres Nutzens.

Die PGD nimmt eine eher gesellschaftskritische und auch psychotherapiekritische Position ein. Wir glauben, dass es einer grundlegenden Transformation gesellschaftlichen Zusammenlebens bedarf, wenn Menschen ein friedliches, kreatives und sinnvolles Leben miteinander entdecken wollen. Diese Transformation kann durch einen Wandel von einem aggressiven und kompetitiven zu einem achtsamen und werteorientierten Lebensstil beschrieben werden. Unserer Erfahrung nach können Psychedelika, Entaktogene und ähnliche Stoffe bei einer entsprechenden Haltung und Anwendung hilfreich dabei sein, einen Zugang zu unserer prosozialen Natur unserer Spezies zu finden, die sich im Laufe ihre Entwicklung grotesk verlaufen hat und dringend eine Korrektur in ihrer Lebensweise benötigt, damit eine Welt entstehen kann, die für alle Bewohner lebenswert ist. Die Arbeit mit katalytischen Stoffen kann uns die inneren Mauern bewusst machen, die wir aufgebaut haben, um uns vor unangenehmen inneren Erlebnissen zu schützen, aber sie können sie nicht einreißen. Trotz aller Bemühungen bleibt dies eine Entscheidung des Einzelnen und ist keine Sache von Politik und sozialen Strukturen. Deswegen liegt alle Hoffnung für dieses Leben beim Individuum.

Psychedelische Gesellschaft Deutschland e.V.
Pfaffenhofen, 7. Juli 2016

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Mitgliedsantrag Psychedelische Gesellschaft Deutschland

Satzung „Psychedelische Gesellschaft Deutschland e.V.“