Psychedelische Therapie

Die Versuche von Menschen, ihr Bewusstsein mithilfe von psychotropen Substanzen zu manipulieren sind wahrscheinlich so alt, wie die Menschheit selbst. Psychoaktive Pflanzen standen im Zentrum der ältesten sakralen und medizinischen Rituale. Sie wurden in alten Kulturen als „Pflanzen der Götter“ verehrt und galten als Mittler zwischen Mensch und Kosmos, sowie zwischen materieller und spiritueller Dimension. In manchen Kulturen finden wir auch heute noch die Verwendung von bestimmten Substanzen wie in der schamanischen Tradition in Sibirien und Amerika oder auch in manchen afrikanischen Ethnien. Neben der heilbringenden Nutzung psychoproper Substanzen gibt es natürlich auch Versuche, die Angelegenheit so gut es eben geht zu unterdrücken oder sogar auszurotten. Die Spanier z.B. verboten schon im 16. Jahrhundert die Peyote Rituale der Indianer und die Azteken wurden einfach hingerichtet.

Die gezieltere Verwendung im Kontext der Behandlung psychischer Krankheiten ist eine Angelegenheit der westlichen Welt seit der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die psychotherapeutische Arbeit mit LSD wurde in Deutschland von Hanscarl Leuner und international zunächst hauptsächlich von Stanislav Grof entwickelt und systematisch beschrieben. Dabei wurden im Rahmen einer regulären meist psychoanalytisch orientierten Behandlung in gewissen Zeitabständen Sitzungen mit LSD als Hilfsmittel eingeflochten.

Um die begriffliche Definition des Einsatzes psychoaktiver Substanzen in der Therapie oder zur Selbsterforschung gibt es heutzutage eine verwirrende Vielfalt.1960 wurde der Begriff Psycholyse von dem englischen Psychiater Roland A. Sandison erstmalig formuliert. Heute spricht man auch von „substanzgestützter“, „psycholytischer“ oder „psychedelischer“ Therapie. Im deutschen Sprachraum distanzieren sich manche Forscher vom historischen Begriff der Psycholyse, während die Schweizerische Ärztegesellschaft daran festhält. Im internationalen Kontext wird meist von psychedelischer Therapie oder „Psychedelic Medicine“ gesprochen. Häufig wird auch das verwendete Adjunkt der Therapiebezeichnung voranstellt: MDMA-gestützte, Psilocybin-gestützte oder LSD-gestützte Therapie. Für zusätzliche Verwirrung scheint zu sorgen, dass Psychedelika auch außerhalb eines rein klinischen Behandlungsrahmens zur (begleiteten oder unbegleiteten) Selbsterforschung genutzt werden.

Die Schwierigkeit, einen allgemein passenden Namen für diese Angelegenheit zu finden, liegt sicher in den unterschiedlichen Konsumkontexten von Psychedelika. Microdosing, Selbsterforschung, Therapie – ein breites Feld mit ganz verschiedenen Voraussetzungen und Zielsetzungen, welche wiederum mit dem jeweiligen Set und Setting zusammenhängen. Es ist aber anzunehmen, dass es Überlappungen gibt, über die bisher keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Und wie häufig, wo Informationen fehlen, entstehen Gerüchte. Aber abgesehen von klaren Rahmenbedingungen und therapeutischen Modellen sind die Grenzen zwischen Psychotherapie und Selbsterforschung grundsätzlich schwer zu ziehen. Das innere Erleben eines Probanden ist nicht unmittelbar steuerbar und kann nicht mit einer herkömmlichen Therapiesitzung verglichen werden. Ein strukturiertes und direktives Vorgehen wie bei einer Verhaltenstherapie z.B. ist undenkbar sowohl für Patient als auch Therapeut. Skeptiker nehmen die fehlende Steuerungsmöglichkeit zum Anlass, die Methode abzulehnen, ohne aber ihre genauen Abläufe zu kennen. Doch der innere Prozess soll nicht gesteuert, wohl aber fachkundig und einfühlsam begleitet werden. Wenn genügend Vertrauen in die Situation hergestellt worden ist, führt dies in der Regel auch nicht zu ernsthaften Zwischenfällen, wie die aktuelle Forschung belegt.

Psychotherapien folgen in der Regel klar vorgegeben Rahmenbedingungen, die ihre Wurzeln in den angewandten begleitenden Verfahren haben. Eine tiefenpsychologische Behandlung war in der Vergangenheit die Regel, aber die Diskussion über ein passgenaues Therapiemodell haben gerade erst begonnen. Dabei scheint vor allem die Akzeptanz- und Commitment Therapie interessante Synergien mit der psychedelischen Therapie aufzuweisen. Bei einer nicht-klinischen Selbsterforschung, wovor Forscher immer wieder warnen, bestehen keine verbindlichen Rahmenbedingungen. Aber auch für das rein therapeutische Setting liegen noch keine verbindlichen Rahmenbedingungen vor.

Die Anwendung der geeigneten Stoffe für diese Zwecke ist umstritten, weil trotz aller Bemühungen eine breite wissenschaftliche Akzeptanz bisher aussteht. Die aktuelle Forschung schreitet allerdings voran und zeichnet langsam das Bild eines durchaus vielversprechendes Verfahren, welches im Kanon der bestehenden Möglichkeiten zur Behandlung psychischer Erkrankungen einen soliden Platz finden könnte. Das Fehlen von genügend kontrollierten Studien darf bis dahin nicht voreingenommen als Beleg für eine fehlende Wirksamkeit herhalten. Persönliche Erfahrungen und außerakademische Publikationen sind ebenfalls wertvolle Wissensquellen, von denen die Forschung profitieren könnte.

Auf keinen Fall aber ist die psychedelische Therapie ein Allheilmittel, sondern ein durch die eingesetzten Stoffe hochpotentes und entsprechend sensibles Werkzeug. Und natürlich birgt die Anwendung der Substanzen Gefahren, die durch den illegalen Status und die prohibitionsbedingten Rahmenbedingungen potenziert werden. Aber unter günstigen (wie z.B. klinischen) Bedingungen sind diese Gefahren gut zu kontrollieren. Die Schaffung medizinisch-psychologisch sicherer und ethisch sowie rechtlich klarer Rahmenbedingungen sind eine wichtige Herausforderung für die Forschung und die Zukunft der psychedelischen Medizin.

Das psychologische Rahmenmodell

Die Verwendung psychoaktiver Hilfsmittel ist für sich genommen natürlich noch keine Psychotherapie im eigentlichen Sinne. Erst im Zusammenhang mit einem therapeutischen Rahmen ergibt sich das, was man als psychedelische Therapie bezeichnen kann. Dabei sollen einzelne Sitzungen in regelmäßigen Abständen in das ambulant durchgeführte Therapiesetting eingestreut werden. Historisch gewachsen wurde die Psycholyse immer im Kontext einer tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie durchgeführt. In aktuellen Studien werden allerdings auch kognitiv-behaviorale Behandlungsmethoden mit dem Einsatz psychoaktiver Substanzen kombiniert. Einen Konsens über eine am beste geeignete Kombination gibt es nicht.

Die therapeutischen Effekte, welche lang über die Sitzung hinaus anhalten, haben nichts mehr mit der pharmakologischen Wirkung der Substanzen zu tun. Die psychologischen Mechanismen, welche z.B. zur Reduktion von Ängsten und Depressionen führen, sind bisher nicht geklärt. Man kann aber davon ausgehen, dass diese im Zusammenhang mit der Erhöhung von Achtsamkeit, Akzeptanz und werteorientiertem Handeln sowie der Einnahme neuer Perspektiven erklärt werden können. Die psychedelische Renaissance innerhalb der Psychotherapie passt insofern gut zur „dritten Welle“ der kognitiven Verhaltenstherapie bzw. zur „emotionalen Wende“, wie diese neue Entwicklung auch genannt wird. Das Rahmenwerk der Akzeptanz und Commitment Therapie nach Hayes et. al. wäre daher vielleicht gut geeignet, psycholytische Prozesse zu erklären und zu unterstützen. Vor allem bei der wichtigen Aufgabe der Integration, also dem Transfer der Einsichten in den Alltag könnte die ACT eine wertvolle Hilfe sein.

Die Rolle der Substanzen

Psychedelika und Entaktogene können generell eine Sensibilisierung und Wahrnehmungsintensivierung des eigenen inneren Erlebens befördern. Sie verstärken während der Dauer ihrer Wirkung durch die Beeinflussung diverser Neurotransmittersysteme im Gehirn die Aufmerksamkeitsfunktionen und können durch eine erhöhte Intensität der Wahrnehmung Bewusstseinsveränderungen herbeiführen. In diesen hochsensiblen Zuständen können sich für den Anwender neue Perspektiven und Sichtweisen auf die eigene Person, die Beziehungen und das Leben an sich eröffnen. Unbewusste Wahrnehmungsbarrieren (Abwehrmechanismen), welche auch bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Problemen und Störungen eine zentrale Rolle spielen, können so der bewussten Beobachtung zugänglich werden. Dadurch können die daran beteiligten Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen unter der Substanzwirkung mit einer größeren Klarheit betrachtet und verstanden werden. Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Bei Entaktogenen wie dem MDMA beispielsweise berichten die Anwender eine reduzierte Angst vor sozialen Bewertungen bei gleichzeitiger erhöhter Bereitschaft, offen über unangenehme Gefühle und emotional belastende Erfahrungen zu sprechen. Die prosozialen Effekte haben eine therapeutisch nutzbare angstlösende Wirkung. Durch die Verlangsamung von Denkprozessen, die von Anwendern beschrieben wird, kann ähnlich wie bei den herkömmlichen achtsamkeitsbasierten Therapieformen die Beteiligung nicht hinterfragter Bewertungen, Regeln und kognitiver Verzerrungen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Problemen deutlicher wahrgenommen und identifiziert werden.

Bei dieser Beschreibung drängt sich der Einsatz von Psychedelika in einem pschotherapeutischen Rahmen geradezu auf. Dennoch geht deren Einsatz über den rein psychotherapeutischen Bereich hinaus und bietet interessante Indikationsbereiche auch für gesunde Menschen. Psychedelika können – richtig eingesetzt –  dabei helfen, bisher ungenutzte Potenziale zu erschließen und sogar zu einer dauerhaften positiven Veränderung der Persönlichkeit führen. Der Konsum von geringen Mengen von Psychedelika ist der jüngeren Zeit auch als „Microdosing“ (Mikrodosierung) bekannt geworden. Dabei werden von den Anwendern extrem niedrige Dosierungen bestimmter Psychedelika im Alltag zur Steigerung kreativer Leistungen eingenommen. Dies hat allerdings eher nichts mit dem hier beschrieben Verwendungszweck zu tun.

Der Effekt, den die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen auf den Menschen hat, hängt in erheblichem Maße von der Person selbst und den Umständen ab, in denen diese konsumiert werden. Diese außerpharmakologischen Wirkfaktoren werden als Set und Setting bezeichnet und haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Erfahrungsqualität und der psychotherapeutische Effekt liegt nicht im bloßen Konsum der Substanzen. Erst in einem kontrollierten Rahmen und dem bewusst geplanten Zusammenspiel der Substanzwirkung mit inneren und äußeren Einflussfaktoren (psychedelische Trias) kann dieser Ansatz seine hilfreiche Wirkung entfalten und zu einer Linderung psychischer Leiden führen, die lange über die Wirkungsdauer der Mittel hinaus anhalten kann. Positive Langzeiteffekte sind demnach nicht mehr auf die pharmakologische Wirkung der Substanzen zurückzuführen. Dies macht eine neue Klassifizierung der geeigneten Hilfmittel notwendig, denn sie sind weder Drogen noch Medikamente im eigentlichen Sinne.

Klinische Indikationen

Zu den klassischen psychotherapeutischen Indikationen zählen Angststörungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, sexuelle Störungen, Zwangsstörungen und Abhängigkeitserkrankungen. Die Erfahrungsberichte von Menschen, die mit diesen psychischen Erkrankungen diagnostiziert wurden erzählen von der positiven Wirkung, die die Psycholyse auf sie hatte. Die Effekte umfassen die Verbesserung der Selbstwahrnehmung, der Selbststeuerungsfähigkeit, der verbesserten Steuerung interpersoneller Probleme bis hin zur Reduktion von Angsterleben, depressiven Affekten und Missbrauch oder Abhängigkeit von psychotropen Substanzen wie z.B. Alkohol, Nikotin oder anderen illegalen Betäubungsmitteln. In letzter Zeit häufen sich die Untersuchungen zur Behandlung von Traumafolgestörungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit MDMA mit vielversprechenden Ergebnissen. Die Forschungsbemühungen konzentrieren sich vor allem auf therapieresistente Fälle, die das Gesundheitssystem viel Geld kosten. Man erhofft sich durch den Nachweis der Wirksamkeit der Psycholyse in diesen Fällen einen Durchbruch und zielt langfristig auf die Ausweitung der Behandlung auf andere psychische Störungen ab. Einen schönen Überblick über den Indikationskatalog speziell der MDMA-gestützten Psychotherapie bietet das Büchlein „Healing with Entactogens“ von Torsten Passie.

Aussertherapeutische Indikationen

Persönlichkeitsentwicklung und Selbsterkenntnis gehören sicher zu den vordergründigsten Anwendungsbereichen für ansonsten gesunde Menschen. Wer sich ernsthaft für den Weg nach innen interessiert, kann mithilfe der Psycholyse im geschützten Setting wertvolle Erfahrungen machen. Auch die Aus- und Weiterbildung von Menschen, welche im psychotherapeutischen Sektor tätig sind, kann die Arbeitsweise mit ihren Klienten durch psycholytische Selbsterfahrung grundlegend beeinflussen. Der Zugang zum Gegenüber kann sich durch die verstärkte Integration eigener verdrängter Persönlichkeitsanteile und durch eine Steigerung der Empathiefähigkeit verbessern, was sich wiederum positiv auf die therapeutische Beziehung auswirken kann.

Durch die durch die Psycholyse gemachten Erfahrungen der Einheit, der Verbundenheit und Liebe stellt sich bei den Menschen irgendwann wie von selbst die Frage nach einem glücklichen und kreativen Lebensstil. Die Einsicht, dass die Menschheit nur überleben kann, wenn sie lernt, ihre Ressourcen miteinander zu teilen und füreinander zu leben, kann in der Bemühung um Kooperation Gemeinschaft ihre Umsetzung finden.

Weitere Indikationsbereiche umfassen die Vertiefung von kreativen bzw. künstlerisch-schöpferischen Vorgängen und der Einsatz zum Erarbeiten von Problemlösestrategien. Zudem eignet sich die Psycholyse zur Vertiefung des eigenen religiösen-mystischen Verständnisses.

Kontraindikationen

Zu den Kontraindikationen zählen Krankheiten und Umstände, welche ein erhebliches bis tödliches gesundheitliches Risiko für die Anwender beinhalten. Dazu gehören auf der körperlichen Ebene schwere Herz-Kreislauferkrankungen, Lebererkrankungen und Schwangerschaft. Auf der seelischen Ebene zählen verschiedene schwere psychische Erkrankungen wie z.B. Schizophrenie, bipolare oder Borderline-Störungen zu den Ausschlusskriterien. Auch Menschen in akuten Lebenskrisen und Stresssituationen sollten sich lieber erst z.B. durch eine ambulante Psychotherapie stabilisieren, bevor sich daran denken, psychedelische Substanzen zu benutzen.

Risiken

Zu den gelegentlichen bis seltenen Risiken – oder eher Nebenwirkungen – der Psycholyse gehören bei körperlich ansonsten gesunden Menschen akute Angstreaktionen, Unruhe- und Verwirrungszustände während – sehr selten auch nach – einer psycholytischen Sitzung. Gelegentlich können nach einer Sitzung depressive Schwankungen oder eine psychologische Instabilität auftreten, die sich durch psychotherapeutischen Kontakt auffangen lassen.

Langfristige neurologische Schädigungen durch MDMA und ähnlichen Substanzen sind bei einer Frequenz von drei bis vier Sitzungen im Jahr für die Dauer einer zwei bis dreijährigen Behandlung mit einer normalen Dosierung eher nicht zu erwarten. Erst durch den Missbrauch dieser Mittel oder bei schädlichem Mischkonsum mit anderen Mitteln können sich langfristig negative Effekte (depressive Verstimmungen, verringerte Gedächtnisleistungen etc.) einstellen.

Streng zu beachten sind mögliche riskante Interaktionen mit bestimmten Medikamenten mit den Psychedelika. Dazu gehören vor allem bestimmte Präparate zur Behandlung von HIV-Infektionen, deren Einnahme im Zusammenhang mit MDMA und ähnlichen Substanzen ein tödliches Risiko beinhalten. Dies gilt auch für den gleichzeitigen Konsum von Phenetylaminen wie MDMA oder Meskalin mit MAO-Hemmern. Von Mischkonsum mit Aufputschmitteln sollte man ebenfalls absehen.

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Risiko sind die zahlreichen wenig erforschten und daher eher unsicheren neuen psychoaktiven Substanzen. MDMA, LSD und Psilocybin sind trotz ihres Verbots recht gut erforscht und es liegen viele Erkenntnisse über potenziell schädigende Wirkungen vor. Dies ist bei den neuen Substanzen nicht der Fall. Hinzu kommt aufgrund der Schwarzmarktsituation eine fehlende Qualitätssicherheit und das Risiko von etwaigen Verunreinigungen oder Überdosierungen ist entsprechend hoch.

Buchtipp: Handbuch für den Drogennotfall

„Nachdem ich persönlich die letzten 50 Jahre mehr als viertausend psychedelische Sitzungen geleitet habe, habe ich große Ehrfurcht und Respekt für dieses Substanzen und ihr enormes positives wie auch negatives Potenzial entwickelt. Sie sind höchst wirkungsvolle Werkzeuge und wie jedes Werkzeug können sie fachkundig, unsinnig oder zerstörerisch eingesetzt werden. Das Ergebnis wird unweigerlich von Set und Setting abhängen.“ – Stanislav Grof

Die Begriffe „Set und Setting“ gehen ursprünglich zurück auf den amerikanischen Psychologen Timothy Leary, welcher in den 60er und 70er Jahren als Professor an der Harvard Universität im Rahmen seiner Forschung die Rahmenbedingungen für die psycholytische Arbeit erkannt und benannt hat. Unter den beiden Begriffen Set und Setting versteht man die inneren und äußeren Faktoren sowie deren Wechselwirkungen, welche maßgeblich für die Qualität der unter Drogeneinfluss gemachten Erfahrungen verantwortlich sind. Stanislav Grof übersetzte den Begriff Set mit „Erwartungsrahmen“ und Setting mit „Behandlungssituation“. Es geht dabei um die kritischen nicht-pharmakologischen Variablen, welche einen entscheidenden Einfluss auf die therapeutische Wirkung einer psycholytischen Sitzung haben und wie man sie kontrolliert.

Ganz allgemein versteht man unter Set alle Faktoren, die den inneren mentalen Bedingungen der beteiligten Personen zuzuordnen sind. Gemeint sind die inneren Kräfte, die Gedanken, Stimmungen, Erwartungen und Ängste über den Inhalt und Verlauf einer Sitzung. Die Haltung, mit der der Teilnehmer an eine Sitzung geht, die Themen, die er mitbringt und das Maß der Bereitschaft, sich auf die Erfahrung einzulassen, werden das Erfahrungsspektrum entscheidend bestimmen. Eine der Sitzung vorausgehende Vorbereitungsphase ist genau wie der mentale Hintergrund des Sitzungsleiters ein wesentlicher Aspekt, der sich auf die Haltung der Teilnehmer und damit auf die Qualität der Erfahrung auswirkt. Unter Setting versteht man die konkreten Bedingungen und äußeren physischen Umstände, unter denen eine Sitzung durchgeführt wird. Dazu gehören die räumlichen Bedingungen, der Ablauf der Sitzung, die Verabreichung der Substanz, die Musik und die Gestaltung des notwendigen Schutzraums.

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Katalytika: LSD, MDMA & Co.

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Wofür die Arbeit mit Katalytika gut ist:

– Adjunkt bei der Behandlung psychischer Störungen/Probleme (Depressionen, Angststörungen, PTBS)
– Steigerung von Achtsamkeit, Akzeptanz und Werteorientierung
– Unterstützung für Offenheit, Teilhabe, engagiertes Leben
– Stärkung von Verbundenheit mit sich, der Welt und anderen


Und wofür nicht:

– Pharmakotherapie
– Machtmissbrauch und Gehirnwäsche
– Allheilmittel/Heilsversprechen
– Religiöser Kult/Sektenbildung