Gehirnwäsche

Im Zusammenhang mit der Psycholytischen Therapie wird immer wieder der Begriff „Gehirnwäsche“ ins Spiel gebracht. Im üblichen Verständnis bedeutet das, kurz gesagt, Fremdbestimmung und Manipulation mit Mitteln der Gewalt. Würde man diesen Begriff jedoch einmal wortwörtlich nehmen, könnte man auf den Gedanken kommen, die Zeit wäre längst überfällig, unsere „ungewaschenen Gehirne“ einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Schaut man sich den Zustand der Welt und der Menschheit ehrlich und gewissenhaft an, kann man im Prinzip zu keinem anderen Schluss kommen. Weltweite Kriege, Flüchtlingskatastrophen, soziale Ungerechtigkeit, Verelendung, Verarmung, pervertierter Egoismus, um nur einige Stichworte zu nennen, sind meiner Überzeugung nach Ausfluss dieser „ungewaschenen Gehirne“. Man könnte auch formulieren: „ungewaschene Geisteshaltung“. Und was soll daran nicht in Ordnung sein, seine Geisteshaltung zu überprüfen und ggf. zu ändern? Zu „waschen“, z.B. Und das mit erwiesenermassen erfolgversprechenden Methoden, wie z.B. der Psycholyse. Mir zumindest ist keine andere Methode bekannt, die den menschlichen Geist so effizient mit seiner eigenen Geisteshaltung konfrontiert, wie die Psycholyse. Und die das Potential in sich birgt, dieselbe zu revidieren und positiv zu verändern, und das radikal. Und das, scheint mir, ist der tatsächliche, der wahre Grund, warum konservative Kreise die Psycholyse dermassen vehement ablehnen, ja teils bekämpfen müssen: unsere Heiligen Kühe Kapitalismus und Egoismus sind dadurch bedroht.

Ein neuer Geist, eine veränderte Haltung würde eine neue Gesellschaft hervorbringen. Und das scheint unerwünscht. Die alte soll erhalten bleiben, um jeden Preis. Und selbst wenn es gegen alle Vernunft, gegen die Wahrheit und im Einzelfall gegen die eigene Überzeugung geschieht. Ich hab im Laufe meines Lebens ausschliesslich positiv von der Psycholyse profitiert und da insbesondere von den Mitteln LSD und MDMA. Es wird niemand gezwungen, sein „Gehirn zu waschen“, aber die, die es aus tiefer Einsicht tun, sollten deswegen weder verurteilt noch kriminalisiert werden.

Jutta Hitzhuber, 69
Kriminalhauptkommissarin i.R.