Vor knapp 20 Jahren war ich in einer Gesprächstherapie, weil ich mich im Trennungsprozess vom Vater meines ersten Kindes befand und vor allem Schlafprobleme hatte. Als diese Trennung gut bewältigt schien und ich wieder besser schlafen konnte, dachte ich, dass jetzt ja wohl die eigentliche Therapie beginnt, das Ausgraben all der schmerzhaften Erfahrungen, die – so spürte ich es – mein Leben aus dem Unterbewusstsein bestimmten, mich beziehungsunfähig und unglücklich sein liessen.  Aber nichts da! Die Therapeutin meinte, es sei doch wieder alles gut bei mir und beendete nach einem Jahr von sich aus die Therapie. Ich fühlte mich alleingelassen und blieb innerlich verwirrt zurück. Freunde erzählten mir von der Psycholyse, die es möglich machen würde, Einblick zu nehmen in unbewusste Bereiche. Das wollte ich und nahm in Münster an einer – natürlich illegalen – MDMA- und LSD-Sitzung in einer Gruppe von 12 Leuten teil. Das hatte ich gesucht: Einblick in Bereiche meines Bewusstseins, die mein Leben tagtäglich beeinflussten, ohne dass ich sie fassen konnte: Woher kamen die Traurigkeit, die Suchtgefahr (Alkohol), die Beziehungskonflikte? Mit Hilfe der Substanzen in therapeutischem Rahmen und einer Gruppe, in der ich gehalten war, konnte ich den Mut fassen, mich den zugrundeliegenden Erfahrungen vor allem aus der Kindheit – auch der frühen, nicht erinnerlichen – zu stellen und die damit verbundenen Gefühle aus der Versenkung holen. Aber nicht nur das! Ich fühlte mein offenes Herz, mein leuchtendes Wesen und sah die Schönheit in allem.

Diese Bewusstmachung änderte mein Leben im Laufe der nächsten Jahre massiv. Ich wurde friedlicher, gelassener, ja, liebender. Keine Veranlassung mehr, mich mit Alkohol zu bedröhnen; in der Lage, meinen Mann, meine Kinder, Mitmenschen überhaupt geduldig zu begleiten in ihren Wesen. Kurz gesagt, ich wurde lebens- und beziehungsfähig. Ich gesunde, und zwar immer noch. Ohne die Psycholyse, da bin ich mir sicher, wäre ich in der Sucht und der Einsamkeit gestrandet.

Meiner Meinung nach ist es ein Verbrechen, dass die Psycholyse verboten ist. Es ist eine Folge der Macht von Menschen, die an wirklicher Gesundung der Bevölkerung alles andere als interessiert sind. Die ganze Gesundheitsbranche vom medizinischen und pharmazeutischen Sektor bis zum wirtschaftlichen, politischen und auch religiösen System – die Psycholyse bedroht das Funktionieren von all dem, was in diesen Systemen nicht im Sinne von Freiheit, Gemeinschaftsgeist und Liebe passiert, sondern aufgrund von Gier und Unterdrückung. Deshalb wird die Psycholyse rundherum bekämpft und im illegalen Bereich gehalten.

Zu den Unfällen, die in letzter Zeit verstärkt durch die Medien gehen, möchte ich sagen, dass diese in keinster Weise Zeichen dafür sind, dass die Psycholyse an sich gefährlich ist. Die Unfälle weisen eher darauf hin, dass die Legalisierung von psychedelischen Drogen und ihre Anwendung im psychotherapeutischen Kontext vonnöten sind. Damit meine ich nicht die Kontrolle durch staatliche oder sonstige Organe, sondern die Freiheit, diese zu nutzen. Substanzen wie LSD, MDMA, Mescalin und viele andere haben grosses Heilpotenzial, das nicht verteufelt, sondern genutzt werden sollte. Werden Autos verboten, weil Unfälle damit passieren können?

Ich persönlich schätze mich glücklich, mit der Psycholyse in Berührung gekommen zu sein und dadurch hinter die Kulissen schauen durfte – meine eigenen, die der Menschheit und unserem Erdendasein überhaupt.

Karin Engelkamp, 47, Journalistin