Psycholyse ist – neben „gewöhnlicher“ Meditation, dem Gebet, dem Yoga, dem Mantrasingen, der inneren Einkehr z.B. durch Schweigen oder vielleicht auch Fasten – für mich eine ganz starke Möglichkeit, die sogenannte „Gotteserfahrung“ zu machen, die Einheit allen Seins zu erleben, Eins zu sein. Damit geht tatsächlich ein unglaublich starkes Gefühl der Dankbarkeit und Ehrfurcht einher, alle Wesen (auch die Hausfliege…) werden als heilig und dazugehörig erkannt. Ich erlebe: Es gibt die Einheit, aus der nie jemand herausfallen kann oder herausfiel, die große menschliche Familie. Sehr wohl kann ich ja weiterhin denken und mir Fragestellungen ansehen. Auch werden bittere Wahrheiten erkannt – wobei es ja sehr entlastend ist, wenn Vorhänge fallen und man Dinge einfach leichter und klarer sieht, letztlich. Z.B. die eigene Arroganz mal zu sehen. Auch andere kann man eher sehen, wie sie im Alltag sind – insofern setzt Psycholyse vielleicht auch „Siddhis“ frei, man wird hellfühliger und sieht Dinge, die sonst nicht gesehen werden. Damit muss man dann im Alltag auch erstmal wieder zurecht kommen.

Sehrwohl gibt es quasi keine Informationen zu Psycholyse im sogenannten Mainstream. Nicht einmal ÄrztInnen wissen Bescheid. Sofort scheinen Bilder von „Heroinjunkies“ auf oder bekiffte Manager mit Koks Flash auf Prostituiertenparties….

Und auch Psycholyse birgt Risiken. Es geht sehr schnell, sehr viel innere Energie wird frei – und es wäre wichtig, eine Handlungsanleitung zu haben, eine ganz offizielle oder einen Leitfaden, um vorbereitet zu sein und zu wissen, wohin man sich verirren kann.

Für den Einstig oder auf Dauer für die weniger psychisch stabilen Menschen muss Psycholyse im geschützten therapeutischen Rahmen angeboten werden – das müssen dann Ärzte auch begleiten und mitverantworten können, was dann passiert.

Als Pädagogin ist es mir noch ein ganz großes Anliegen, Jugendlichen oder neugierigen jungen Erwachsenen bessere Wege zu ebnen, damit sie in vernünftigem Rahmen und begleitet ihre Experimente machen dürfen und nicht gleich wieder alle kriminalisiert werden und in den Untergrund verschoben. Hier können sie oft ja kaum prüfen, was ihnen verkauft wird und konsumieren teils heillos durcheinander, oftmals viel zu jung auch, und enden dann ja wirklich in den Psychiatrien oder mit irreversiblen psychischen Folgeschäden. Aber die Neugier einfach nur verbieten reicht eben nicht.

Lydia Maria K. (43), Dipl. Soz.päd. u. Lehrerin für Sonderpädagogik