1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Am Anfang stand die Neugier. Ich machte Psycholyse, weil ich mehr über mich, die Menschen und die Existenz als Ganzes erfahren wollte. Anfangs ging das ganz gut, doch mehr und mehr wurden mir meine Probleme bewusst, und ich musste mich notgedrungen diesen zuwenden.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die erhöhte Energie und Aufmerksamkeit, die ich auf psycholytischen Sitzungen erfuhr, halfen mir, wie von aussen auf mein Leben und auf meine Probleme drauf zu schauen. Aber nicht nur die Aussenperspektive erfuhr ich, sondern ich tauchte auch tiefer ins Fühlen und Wahrnehmen ein als mit jeder anderen Therapieform. Konkret: ohne die psycholytische Therapie hätte ich weder geheiratet, noch Kinder gezeugt. Ich wäre ein missgelaunter Orthopäde geworden, der sein Leben mit sinnlosen Sekundärbefriedigungen angefüllt hätte. Durch die Psycholyse nahm ich den Platz im Leben ein, der mir und meinen Mitmenschen gut tut. Welch ein Glück ich erfahre, für meine Frau und unsere vier Kinder zu sorgen. Und wie viel Sinn dies in meiner Arbeit stiftet!

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Diese Vorwürfe werden sehr pauschal und inflationär verwendet. Wahrscheinlich in völliger Unkenntnis dessen, dass verschiedenste Geheimdienste und Militärs in West und Ost seit den 40er-Jahren in grossangelegten Versuchen diese Substanzen für manipulative Zwecke zu missbrauchen suchten. Man hat es schliesslich aufgegeben, weil es eben nicht ging. Bewusstseinserweiternde Substanzen befähigen den Klienten, sich – aber auch den Therapeuten – zu durchschauen. Effektiv helfen sie einem, sich von Abhängigkeiten zu lösen, aber eben nicht nur von Therapeuten und Lehrern, sondern auch von Massenmeinungen und -trends, die die Welt wie ein Virus in einem miserablen seelischen Zustand halten, in der keiner sich getraut, aufmüpfig und sich selber zu sein.
Psycholytische Therapie durchzuführen stellt hohe Anforderungen an die Fähigkeiten und die Integrität des Therapeuten. Da diese Therapieform grösstenteils im illegalen oder halblegalen Untergrund stattfinden muss, kommt es leider auch zu Fehlern. Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen hingegen habe ich vor allem in staatlichen psychiatrischen Kliniken gesehen und miterlebt. Es gibt Kliniken mit bis zu 30% Zwangseinweisungen. Das muss man sich einmal vorstellen, jeder Dritte ist unfreiwillig dort! Diese Patienten müssen oft herhalten und Zwangsmassnahmen an sich erdulden, weil die Behandler hilflos sind und ihre Gefühle nicht aushalten, oder weil sie nicht in den Stationsalltag passen.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Es ist schon paradox, dass über Jahrzehnte gut erforschte und nebenwirkungsarme Substanzen wie LSD und MDMA illegal sind, während nebenwirkungsreiche und abhängigkeitserzeugende Medikamente wie Opiate oder Benzodiazepine millionenfach verschrieben werden. Alle mir bekannten schweren Zwischenfälle bei psycholytischer Therapie hätten vermieden werden können, wenn die Anwender legalen Zugang zu geprüften und präzise abgewogenen Substanzen gehabt hätten.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

Psycholyse ist mehr als eine Therapie. Psycholyse, beziehungsweise die Anwendung von bewusstseinserweiternden Substanzen gehören zum Menschsein und zur Menschwerdung. Psycholyse kann dir helfen, das Potential zu entfalten, das grösstenteils ungenutzt in dir schlummert. Die Substanzen liessen sich weder von Geheimdiensten und Militärs, noch von den Hedonisten der Hippiezeit, noch von der kleinkarierten Wissenschaft, noch von Gesetzen einfangen. Was jetzt durch Presseberichte an die Oberfläche tritt, kann man sich wirklich kaum vorstellen. Viele Menschen wollen einfach aussergewöhnliche Bewusstseinszustände erfahren. Jeder 10. Amerikaner nimmt mindestens einmal im Leben LSD ein. Wer will, sollte die Möglichkeit haben, auf sichere und legale Weise solche Erfahrungen machen zu können.
Und wollen wir noch weiter kleinlich über Sinn und Zweck, Gefahr und Nutzen von Psycholyse sprechen? Oder wollen wir uns endlich den wirklichen Problemen der Menschheit zuwenden, der Zerstörung unseres Planeten, der immer grösser werdenden Kluft zwischen Arm und Reich, dem Anpassungsdruck und der Gehirnwäsche, die aus unseren hochbegabten und lebendigen Kindern brave Konsumenten und willige Soldaten macht?

Manfred (37), Arzt und Psychotherapeut