Heute lebe ich in einem lebendigen Beziehungsgeflecht, habe Familie, Kinder und eine wunderbare Arbeit. An diesen Punkt in meinem Leben anzukommen, nämlich selbstbestimmt und geheilt von den alten Traumata zu sein, war mein größter Lebenswunsch, den ich erreicht habe. Mit Hilfe von Beratung, durch Therapie und vor allem durch die Erfahrung mit Psycholyse, die leider mittlerweile verboten ist.

Meine Geschichte in Kurzform

Ich wurde als Kind sexuell missbraucht, war häuslicher Gewalt ausgesetzt und mit Todesängsten konfrontiert. Die traumatischen Erfahrungen spalteten mein Ich. Einen Therapieversuch wollte ich mit 18 Jahren bei einem Psychiater wagen. Völlig unsicher, zum ersten Mal jemandem zu erzählen, was mir geschehen ist. Der Psychiater fragte mich am Ende meiner Erzählung: „Hat es Ihnen denn nicht auch Spaß gemacht?“ Nach diesem Satz des Psychiaters beschloss, ich keine Therapie zu beginnen. 

Glücklicherweise bekam ich 10 Jahre später eine neue Chance, mich therapeutisch begleiten zu lassen. In einer Beratungsstelle für missbrauchte Mädchen und Frauen konnte ich lernen, dass ich über meine Erfahrungen sprechen kann. Ich wurde wunderbar begleitet und die Hoffnung auf eine Besserung meiner Symptome machte mir Mut. Diese ersten Schritte waren sehr gut für mich. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Ausdruck in Form von Sprache über das Erlebte gefunden. Doch die depressiven Zustände und eine anhaltende Essstörung wurden nicht besser. Außerdem hatte ich ein ausgeprägtes Angst-Syndrom, welches sich immer wieder zeigte. Im Innersten fand ich keine Ruhe, war immer wieder mit Suizidgedanken beschäftigt, konnte keinen Boden unter den Füßen bekommen. Zu all dem kam, dass ich nicht beziehungsfähig war.

Der nächste Schritt war die Körperpsychotherapie. Ich lernte endlich meine gestaute Wut und Angst in die Welt zu schreien, einen Ozean mit Tränen zu füllen. Das tat sehr gut und die körperlichen Symptome wurden geheilt. Doch meine in der Tiefe liegende Spaltung, bezogen auf meinen Körper und meine Sexualität, war noch immer in mir. Im Besonderen bekam ich von keinem Therapeuten oder Arzt, auch nicht in den vielen Gesprächen, welche ich zu dem Thema Missbrauch führte, eine wirkliche Antwort. In mir schrie es nach einer Antwort auf die Frage: „Warum gibt es sexuellen Missbrauch an Kindern und überhaupt?“ Warum schauen so viele weg, auch so viele Frauen? Warum gibt es so viele Störungen und Lügen in den Beziehungen?

Ich bekam die Möglichkeit einer therapeutischen Psycholysesitzung. Das war mein großes Glück! In dieser ersten Sitzung war ich zum ersten Mal in meinem Leben ein ganzer Mensch, eine ganze Frau. Das Denken hörte auf, welches mich jahrelang gefangen nahm. Ich war immer Opfer und so verhielt ich mich. Alles, was ich im Leben nicht zustande brachte, entschuldigte ich mit dem Erlebten. Durch diese wichtige, einschneidende Erfahrung in der psycholytischen Sitzung konnte ich zum ersten Mal in meinem Leben erfahren, wie es sich anfühlt, ein selbstbestimmtes Leben ohne Übergriffigkeit von Außen zu führen. Dies zu integrieren gehört zu meiner Lebensaufgabe.

Schon früh in meinem Leben beschäftigte mich die Frage: „ auf welchem Nährboden entsteht sexueller Missbrauch?“ Zum ersten Mal bekam ich durch die Psycholyse Antworten. Die Tabus um das Thema der sexuellen Unterdrückung und deren verheerende Auswirkungen wurden mir immer deutlicher. Sich mit den inneren Tabus auseinanderzusetzen, erfordert eine große Bereitschaft, sich seiner inneren Wahrheit zu stellen.

Fazit

Ich möchte aus eigener Verantwortung entscheiden dürfen, was mir in der Tiefe hilft und was nicht. Daher bin ich für substanzgestützte Psychotherapie. Meine Seele gehört mir! Mein Leben gehört mir! Ich bestimme über mich! Missbrauch hört da auf, wo die Liebe im Miteinander Wirklichkeit geworden ist! Psycholyse ist die Einladung zur Revolution der Liebe!

Marie (55), Therapeutin, Krankenschwester