1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Man hatte mir erzählt, dass Psycholoyse ein Weg sein kann, damit (wieder oder erstmalig) Urvertrauen im tiefsten Inneren der Körperzellen entstehen kann. Urvertrauen ist die Voraussetzung für ein wirkliches Lebendigsein, um an der Schönheit der Welt und am Miteinander der Menschen und zwischen Mensch und Natur wirklich aktiv teilnehmen zu können. Das hat mich Gott sei Dank neugierig gemacht.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Ich hatte schon viel und erfolgreich psychotherapeutisch gearbeitet an mir. Vieles war dadurch abgemildert: Ängste, Depressionen, Suizidgedanken, Einsamkeit, Isolation, Apathie. Aber es war noch ein erheblicher Rest von Leblosigkeit in mir. Außer, wie besessen zu arbeiten. Etwas war wie abgestorben in mir: Freude, Glück, Leichtigkeit, Unbefangenheit, Verbundenheit.

Statt wollen, wünschen, wagen, gestalten, war da Resignation, Steifheit, Rückzug, Angepasstsein und mich verstecken. Nicht wirklich leben, sondern lediglich, aber immerhin, überleben. Ich war, besonders in nahen Beziehungen, nicht mit mir und meinem Körper, mit meinen Sinnen, meinem Wollen verbunden. Heute würde man das als Fixierung im dorsalen Vagus nach Stephen Porges (Polyvagaltheorie) erkennen. Ein Zustand, wie eingefroren als Traumafolgestörung. Eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung als Folge von emotionaler Vernachlässigung und dem Erleben und Miterleben von emotionaler und körperlicher Gewalt, einschließlich vererbter Traumaerfahrungen der Vorfahren.

Oberflächlich, vor allem beruflich, war ich, galt ich durchaus als gesund, attraktiv und erfolgreich. Ich war arbeitsfähig. Aber alles war sehr anstrengend. Freude und Verbundenheit fehlte. Ich war nicht (wirklich) genuss- und nicht liebesfähig.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Ich habe KEINERLEI negative Erfahrungen gemacht und auch niemals etwas in diese Richtung miterlebt. Ich habe im Gegenteil vielfältige und zahlreiche positive korrektive (Bindungs-) Erfahrungen selbst erfahren und bei anderen miterlebt. (Auch) mir wurden entgegen gebracht: Respekt, Unterstützung, Toleranz, Ermutigung, Humor, Liebe, Gelassenheit, Inspiration. ich habe die Leiter als großes Vorbild in authentischer, humanistischer Lebensführung erlebt, was Fleiß, Mut, Wahrhaftigkeit, Tugend, Integrität und Verantwortungsbewusstsein angeht. Das alles aus fundiertem Wissenshintergrund, verbunden mit tiefer selbst erfahrener und errungener Lebensweisheit.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Viele gute Dinge waren verboten (verhöhnt, verunglimpft …), bevor ihre Heilkraft nachgewiesen wurde. Hätten Ärzte sie den Menschen deswegen vorenthalten, hätten viele Heilungen nicht stattgefunden. Und die Forschung hätte keinen Grund gehabt, (später) evidenzbasiert belegen zu können, wo Wirksamkeit besteht. Medizin, wie auch Jura, sind sehr skeptische Wissenschaften. Es braucht lange, bis etwas Gutes Neues als wissenschaftlich anerkannt gilt. Wenn es einmal anerkannt ist, gilt das für lange. Manchmal dann sogar zu lange… Manchmal wünscht man sich, dass die Medizin (und die Juristerei) Neues etwas schneller aufnehmen und manche alte Überzeugung schneller zu aktualisieren lernen könnten.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

ich bin mehr als dankbar für die Wirkungen, die ich an mir und an anderen durch diese Heilpflanzen erleben durfte. ich bin viel empfänglicher für die Schöheiten der Welt. Ich bin mutiger. Ich fühle, dass ich dem Leben und anderen etwas zu geben habe. Ich gebe mich seltener mit Ersatz zufrieden. ich liebe mich und andere. Ich liebe das Leben. Ich sehe einen Sinn darin, zu leben und meinen Beitrag zu leisten. Wie Viktor Frankl sagt: trozdem Ja zum Leben sagen.

Marija (60), Ärztin