Bekenntnis zur Psycholyse

Als ich – nach langem Zögern – 2002 zum ersten Mal an einer psycholytischen Sitzung teilnahm, war ich ein vollständig in der Anpassung gefangener Mensch. Nach meiner damaligen Sicht war ich der Auffassung, die Psycholyse sollte mir helfen, endlich einen Durchbruch zu schaffen (wohin eigentlich?), mein Ego also erfolgreicher zu machen. Nach einigen Sitzungen würde ich mich bestimmt „geheilt“ fühlen…
Es kam ganz anders.

Die Psycholyse wurde für mich zum Tor der Selbsterkenntnis mit dem klaren Auftrag, „mein Leben aufzuräumen“. Sie wurde mir zur Einladung, mein Ego aufzugeben und damit zu meinem Weg. Da dieser Prozess in den allermeisten Fällen nicht „über Nacht“ geschieht, bin ich bis heute auf diesem Weg. Dabei ist immer klar, daß es auch andere Wege (der Selbsterkenntnis) gibt. Wer im Verlauf dieses Weges der Einladung der Liebe folgt und sich dem Leben wahrhaftig öffnet, der merkt bald, daß alte Vorstellungen von Kontrolle und Berechnung, in dem Sinne, was wann wo und wie eintreffen soll, nicht mehr greifen. Dieser lebendige Weg folgt keinen von Menschen geschaffenen Gesetzen und hat in diesem Sinn kein eigentliches Ziel. Das ist es auch, was viele Menschen so stark verunsichert. Jeder solche Weg führt uns früher oder später in Kontakt mit allen unseren Anteilen. Dabei kommen wir neben sehr schönen und erfreulichen Begegnungen auch zu unseren „dunklen Seiten“, die wir lieber nicht haben wollen. Die Psycholyse ist gerade auch für die Bearbeitung dieser Teile und Aspekte eine große Hilfe, da ihr eine gewisse „Unausweichlichkeit“ innewohnt, ohne die wir diese Aspekte vielleicht nie anschauen würden.
Ein Weg also ohne Ziel, ohne Ende, und keine Erfolgsgarantie?? Wie kann jemand nur so verrückt sein, sich so im Leben zu bewegen? Wer genau hinschaut wird gewahr, daß wir in einer völlig verrückten Welt der Untoten leben. In der Welt des Ego gibt es kein wirkliches Leben, sondern nur die Illusion davon. Auch von dieser Erkenntnis kann ich mir letztlich kein Brot kaufen…

Was also hat mir die Psycholyse konkret gebracht? Es gibt klare Fakten:

  • Die Migräne, die mich seit meiner Kindheit meist wöchentlich für einen Tag lang gegeißelt hat, ist seit mehr als zehn Jahren komplett verschwunden.
  • Meine Beziehung zu mir und damit die Beziehungen zu den Menschen, mit denen ich in Kontakt komme, haben sich enorm verbessert, was konkret heißt, daß ich mich und die Menschen um mich herum wieder fühlen kann.
  • Die Belastungsfähigkeit in meinem Leben ist insgesamt viel höher geworden.
  • Das Lebensgefühl überhaupt hat sich völlig verändert: Aus dem Gefühl, in ständigem Mangel und in Bedürftigkeit zu leben, ist ein Fest der Fülle und Freude geworden.

Die Psycholyse ist ein Tor zur Selbsterkenntnis mit dem klaren Auftrag, mein Leben aufzuräumen.

Matthias Hofmann (58), Musiker, Pädagoge