Ein leidenschaftliches „Aber“ zwischen all den „Ja’s“

Dieser Beitrag wird all die erreichen, die gemeint sind und die das angeht, da bin ich mir ganz sicher.  Es ist nicht nur für im Thema unerfahrene und interessierte Menschen gut und hilfreich, hier in diesem Forum Berichte von Leuten zu lesen, deren Leben sich durch drogengestützte Psychotherapie positiv verändert hat und das noch immer tut. Der allgemein positive Grundton, der hier angeschlagen wird, täuscht aber finde ich ein wenig darüber hinweg, dass es faktisch nirgendwo auf der Welt eine legal angewandte psycholytische Psychotherapie gibt. Ganz einfach deshalb, weil die für eine wirklich sinnvolle und tiefgreifende Therapie dieser Art notwendigen Stoffe, wie z.B. LSD, MDMA, Meskalin, Psilocybin sowohl in USA als auch in Europa in der Liste der verbotenen Betäubungsmittel zu finden sind. Selbst eine Substanz wie IBOGA, die nachweislich Opiat- und Alkoholsüchtige definitiv heilen kann und für die Suchttherapie ein auf breiter Front bahnbrechendes Mittel sein könnte, findet sich auf dieser Liste.

Die im allgemeinen wenig sachkundigen und äußerst einseitig informierten Behörden – aber auch Medienvertreter werfen da gern verschiedene Dinge, die ganz sicher nichts miteinander zu tun haben, in einen Topf und servieren der leider immer auch sensationsgierigen Öffentlichkeit gebetsmühlenartig immer wieder die gleiche Geschichte über böse Drogen, die, wenn nicht töten, dann mindestens abhängig machen und deshalb bitteschön auch im Giftschrank zu bleiben haben. Ganz egal, welche positiven Möglichkeiten über den einen oder anderen Stoff bereits seit langem bekannt, getestet und belegt sind. Dass mindestens 30% aller Erwachsenen in Deutschland inzwischen entweder Alkohol-, Opiat-, Tabletten-, Spiel- oder sonst irgendwie süchtig sind, ist für die politisch Verantwortlichen offenbar von untergeordneter Bedeutung.

Natürlich, so ein Stoff wie LSD, der in kleinsten Dosen bereits seine Wirkung entfaltet, wäre, legal produziert und erhältlich, im Vergleich zu dem, was heute beispielsweise in der Psychiatrie so verabreicht wird, in der Herstellung und vor allem im Endpreis viel zu billig, um für profitorientierte, weltweit operierende Pharma-Konzerne auch nur ansatzweise interessant zu sein. Als legales und vor allem nebenwirkungsfreies Konkurrenzprodukt zu all den zur Verfügung stehenden teuren Psychospielzeugen würde LSD dieses Pharma-Marktsegment vollkommen über den Haufen werfen. Und das endlich mal zum Wohle des Patienten. Darauf müssen wir vermutlich noch lange warten. Warum eigentlich?

Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Leute, die heutzutage mit den oben beschriebenen illegalen Substanzen hantieren, es sich in der Illegalität gut eingerichtet haben. Die mit offiziell verbotenen Stoffen praktizierte Psycholyse ist nicht nur ein recht einträgliches, diskretes Geschäft, sondern auch ein besonders scheues Reh. Das gilt im Besonderen für diejenigen, die sie betreiben, lehren und anbieten. Mag sein, dass genau das für viele Psychonauten, Klienten, Selbsterforscher und allgemein Neugierige den Reiz an der Sache ausmacht. Etwas Verbotenes reizvoll und interessant zu finden, ist uns Menschen wohl seit Adam, Eva und dem Apfel gegeben. Der Sache an sich, also der Psycholyse als ernst zu nehmende psychotherapeutische Heil-Methode, die ja nun inzwischen, wenn auch in der Illegalität, ausführlich und weitläufig getestet und erprobt wurde, hilft das nicht. Im Gegenteil. Wer Workshops, Kurse, Ausbildungen und Ähnliches in kleinen oder größeren Gruppen unter diesem oder jenem Etikett absolviert hat weiß, dass die Außenwirkung solcher Veranstaltungen und Zirkel der unwissenden und unbeteiligten Öffentlichkeit gerne den Eindruck vermitteln, dass hier eine Sekte, ein elitärer Zirkel, eine irgendwie okkult wirkende Gruppe, die meist von einer Art Führungspersönlichkeit oder Guru angeführt wird, zu Gange ist. Ein seriöses, nachprüfbares, einheitliches Bild einer drogengestützten Therapieform mit allgemein gültigen Regeln und Absprachen, auf die sich jeder Teilnehmer im Ernstfall stützen kann, entsteht da beileibe nicht. Da hilft es auch wenig, wenn der führende Kopf praktizierender Arzt und Mediziner ist oder ein weithin angesehener Psychotherapeut. Sobald hier zwischen der Vermittlung eines durch jahrzehntelange Selbsterfahrung entstandenen persönlichen Weltbildes einerseits und einer Therapiemethode genannt Psycholyse andererseits nicht klar unterschieden wird, entsteht in der Außenwirkung ein esoterische Gemischtwarenladen, der auf viele zwar faszinierend und einladend wirken mag, aber die Versuche, die Psycholyse als  Methode endlich aus diesem etwas unklaren und auf viele suspekt wirkenden Umfeld heraus zu lösen, werden torpediert.

Hinzu kommt, dass selbst erfahrene und gefestigte Therapeuten, die, quasi unter dem Ladentisch, mit illegalen Drogen und das durchaus erfolgreich, an ihren Klienten hantieren, oft genug vielleicht auch durch die häufige Einnahme bewusstseinserweiternder Substanzen, einer gewissen Hybris verfallen und sich aufgrund der extremen Abhängigkeit ihrer Klienten in ein Machtproblem verstricken. Gepaart mit illegaler Beschaffungslogistik und den natürlich damit verbundenen und notwendigen Geheimhaltungsstrategien entsteht da ein fast paranoides Klima, dass einer tatsächlich nachhaltigen Heilung von seelisch Kranken oder auch Normalneurotikern und einer wirklichen, oft propagierten Befreiung auf allen Ebenen, gewaltig im Weg steht. Schon allein die Tatsache, dass ich als Klient mit niemand Drittem über das, was ich mache und vor allem einnehme nicht sprechen soll bzw. darf, weil ich ja eine legale Grenze überschreite, distanziert mich von Vielen mit denen ich mein Erlebnis vielleicht teilen möchte und isoliert mich in meinem angestammten Lebensumfeld. Nur der Gruppe, in der auch alle anderen darüber bescheid wissen, kann ich mich ganz offenbaren. Ich werde dort in der Regel angehalten, keinem außen stehenden Dritten über die Einnahme von illegalen Substanzen zu berichten. All diejenigen, die dieses Tabu brechen, werden in der Regel sehr schnell zu Verrätern gestempelt oder als psychisch labil, wenn nicht sogar krank bezeichnet. Dass darüber hinaus versucht wird, Kritiker möglichst zu diffamieren und wenn es sein, muss per Gerichtsbeschluss zum Schweigen zu bringen, rundet dieses, etwas sehr hermetisch wirkende Bild nur ab. In so mancher Ausbildungs – und Lehrgruppe zur Psycholyse wird den Teilnehmern zudem nach der Einnahme von Substanzen, also in besonders sensiblen, seelisch geöffneten Zuständen in Form von Lesungen oder Vorträgen das Weltbild des jeweiligen Anbieters solcher Workshops vermittelt. Ich halte es für durchaus angebracht in diesem Zusammenhang von Manipulation zu sprechen.

Wer drogeninduzierte Zustände dieser Art kennt und an Workshops, Ausbildungen und vor allem Gruppensitzungen mit oft mehr als 70 Mitwirkenden teilgenommen hat, wird mir vermutlich recht geben. Wenn man sich eingehend mit Stanislav Grof und den in seinen Büchern ausführlich beschriebenen wissenschaftlich/klinischen LSD-Versuchsreihen mit Patienten aus der Psychiatrie in den 50-iger Jahren beschäftigt kann dort nachlesen, dass jede Einmischung und jeder Manipulationsversuch erheblichen Einfluss auf den Verlauf einer Substanzerfahrung haben kann, macht man sie nun in der Gruppe oder allein. Die Schwelle dafür ist nicht besonders hoch. Ich persönlich halte es da mit Grof, der seinen Probanden Kopfhörer und Augenbinden verabreicht hat, weil er ganz klar davon aus ging, dass sich aufgrund des oben beschriebenen Umstandes jegliche Einmischung in das Erleben des Probanden ausschließt und selbst körperliche Zuwendung lediglich in einem äußerst begrenzen Maß sinnvoll wäre. Dass der Einsatz von Musik, sofern er gegeben erscheint, ausgesprochen sinnvoll ist, versteht sich von selbst.

Wann  also wird es endlich verbindliche, allgemeine Regeln für den Einsatz von, wie auch immer, legalen oder illegalen Substanzen in der Psycholyse geben? Wann werden sich die Anbieter von Workshops, Ausbildungen und Ähnlichen zusammen tun, um solche Regeln festzulegen und klar und für jeden nachvollziehbar zu definieren, was in der Psycholyse machbar ist und was nicht, oder besser. Wo hört Therapie auf und wo fängt Übergriff und Manipulation an? Wann wird endlich aufgehört, zu lügen, und auch damit aufgehört, Patienten, Klienten oder Teilnehmer zum Lügen anzuhalten? Wann outen sich endlich die vielen derzeit quasi im Untergrund arbeitenden Psycholyse-Therapeuten als solche und stellen Fachwelt und Öffentlichkeit ihre immens großen Langzeit-Erfahrungen mit dem Einsatz von sog. illegalen Substanzen wie LSD, MDMA, Meskalin und vieler anderer Stoffe zur Verfügung? Wann hört das unselige Synthetisieren und Testen von immer neuen, weil dann noch nicht verbotenen Amphetamin-Derivaten auf und wann gibt es endlich verbindliche Regeln, die ein Verabreichen von auf ihre Wirkung hin noch nicht hinreichend getesteten Substanzen an zahlende Klienten oder Workshop-Teilnehmer ausschließen? Es braucht doch nun wirklich keine Todesfälle mehr, keine Schäden, keine Traumata, ausgelöst durch entgleiste Sitzungen, durch Falsch- bzw. Überdosierung oder durch synthetisierte Stoffe deren Wirkung kaum einer wirklich kennt .

Wann gibt es auch in der Psycholyse für Therapeuten klare Regeln, die z.B. ausschließen, dass therapeutische Interna (analog zur Schweigepflicht des Arztes) nicht an Dritte weiter gegeben werden? Wann gibt es endlich auch für die Psycholyse klare Regeln zur Supervision bei Streitfällen oder Konflikten zwischen Klient und Therapeut?

Holt die Psycholyse aus der Illegalitätsfalle. Nur dann wird dieses wirklich wertvolle Werkzeug auf Dauer eine Chance haben. Seid wach, schaut genau hin, seid misstrauisch gegenüber offenem oder verstecktem Gruppenzwang, geschlossenen Strukturen, vorgegeben Denkkonzepten oder Anzeichen von Sektentum. Zweifelt an allem was sich als elitär, hierarchisch und autoritär entpuppt und Euch letztlich nur abhängig machen will. Zweifelt an Allen, die Euch immer eine Stufe unter die Ihre stellen und Euch wieder und wieder einreden, dass Ihr dieses und jenes noch nicht könnt aber das am besten in einem weiteren, meist kostenintensiven Ausbildungs- oder Seminarpaket lernen dürft. Es ist immer Euer Leben, Eure Gesundheit und Eure Verantwortung. Alleinstehen ist nicht leicht, aber ganz und gar nicht verboten.

In diesem Sinne…
hasta luego

Michael (58), immauntawegs