Die Psycholyse wurde vor einigen Jahren bei einem Aufenthalt in Südamerika gänzlich ungesucht an mich herangetragen. Schlicht war die Einladung dazu, natürlich, an keine Bedingungen geknüpft, ohne dass besonderes Aufsehen darum gemacht wurde. Ihre spezielle Form von Psycholyse gilt dort als Geschenk des Lebens an jeden und man lebt sie als gegenseitiges Geschenk aneinander. Der leichtherzige und zugleich respektvolle Umgang der Südamerikaner mit den Heilmitteln, die einem helfen, seine Pforte zur Wahrnehmung aufzustossen, hat mich genährt und mich einen ehrenvollen Umgang mit allem Lebendigen gelehrt.

Die psycholytische Erfahrung selbst erneuerte in mir die Ahnung, inmitten eines Wunders zu leben, das sich über alles legt und alles durchdringt. Sie zeigte mir, dass das Leben ein Abenteuer ist, ein Experiment, das es zu wagen gilt. Und dass es ein Weg ist, der für jeden seiner Wanderer eigene Wegweiser schreibt – und die folglich jeder für sich alleine zu erkennen hat. Und dass es, wenn man einmal die falsche Abzweigung gewählt haben sollte, stets neue, passende Hinweisschilder schickt, die den nächsten Schritt anzeigen.
Sie zeigte mir auch meine Fähigkeit, mit offenen Ohren, offenen Augen und offenem Herzen in der Welt zu stehen – und dass diese aber, wie es die Synapsen im Gehirn tun, verkümmert, wenn ich sie nicht genügend nutze. Sie hat mir gezeigt, dass ich in manchem schon, wie beinahe alle Menschen, zu den Normalneurotikern gehöre. – Und sie weckte in mir den Ansporn, über dieses Gewöhnliche hinauszuwachsen, die Lebendigkeit zu entdecken, das Leben zu zelebrieren, die Liebe zu sein und mit dem Wunder meinen Weg zu teilen.

Zauberhafte, heilsame Erfahrungen waren das!

Erst später waren meine Begegnungen und Auseinandersetzungen mit der Psycholyse noch in einen weiteren Duft gehüllt: Den Duft des Verbots und der Beschneidung, den der Unerwünschtheit. Den Duft von verlorenen Freunden, von nie gefundenen. Und den Duft von zartbitteren, traurigschönen Schicksalen.

Und dennoch, diese Begegnungen und Auseinandersetzungen sind vom Besten in meinem Leben!

Rahel Nicolet (23), Studentin