1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Ich bin über die Empfehlung einen Bekannten vor ca. acht Jahren zur Psycholyse gekommen und es hat mich gleich interessiert, als er davon erzählte. Recht naiv bin ich damals dann zum ersten Seminar gegangen, voll Nervosität und grossen Erwartungen. Es ging mir nicht gut damals, ich hatte seit meiner Jungend keinen Boden mehr in mir und grosse Minderwertigkeitsgefühle und hatte schon einige Dinge ausprobiert. Diese Arbeit mit bewusstseinserweiternden Substanzen, von der ich von verschiedensten Kulturen auf der ganzen Welt wusste, dass sie eine lange Tradition haben, wollte ich gerne kennenlernen.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Meine erste Sitzung war dann ein ziemlich durchschlagendes Ereignis. Dass ich mich selbst und die Welt wirklich sehen und lieben könnte, hätte ich nicht gedacht…! Mir hat es einen völlig neuen Zugang zu meinen Gefühlen geschaffen, die ich schon lange unter viel en schwierigen Gedanken und Annahmen über mich begraben hatte. Lange Zeit hat es zwar noch gebraucht, bis ich auch im Alltag etwas davon fühlen konnte, aber es war wichtig, mich daran immer wieder erinnern zu können. Seither habe ich viele gute Sitzungen erlebt, die mich oft beim nächsten anstehenden Schritt unterstützt haben, mir etwas zeigten, oder mich in das grosse Gefühl des Einsseins mit der Welt mitnahmen…

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Ich habe einen guten Therapeuten gehabt, der einen schwerwiegenden Fehler gemacht hat. Es können, wie überall wo Menschen arbeiten, Fehler passieren. Gerade in dieser Arbeit, die so tief geht und einen so verletzlich macht, sind deshalb regelmässige Supervisionen extrem wichtig. Das Therapeuten sich ihren persönlichen Themen, gerade um Autentizität, Macht, Selbsteinschätzung, usw. immer wieder an der Seite von guten Lehrern und Begleitern überprüfen können/müssen.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Gerade das oben genannte Thema wird in der Illegalität extrem erschwert. Die Substanzen sind sehr wirksam und sehr tiefgehend. Deshalb ist ein guter, wachsamer Umgang damit wichtig. Daneben natürlich auch eine bessere Kontrolle um Dosierung und Reinheit der Substanzen. In richtiger Dosierung ist ein gesundheitliches Risiko sehr gering. Die Supervisionen und die Kontrolle der Mittel bräuchten einen legalen Rahmen.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die an- deren Fragen beantwortet wurden?

Für mich ist es ein ungerechter Eingriff in die Privatsphäre, dass der Staat diese Arbeit illegalisiert. Sich für seine persönliche Heilung einzusetzen auf die Art, die einem dabei hilft, hat man doch selbst zu verantworten. Und darüber hinaus geht es ja nicht nur um die persönliche Heilung. Man kommt in Kontakt damit, was uns allen in dieser Welt fehlt, Liebe und Mitgefühl und dem, was dafür zu tun ist. Und das ist eigentlich das Wichtigste, was wir Menschen gerade brauchen.

Stefanie (32), Sozialpädagogin