Stellungnahme zur aktuellen Berichterstattung über das Engagement der Psychedelischen Gesellschaft Deutschland

Es gibt immer wieder Stimmen, die nicht müde werden zu behaupten, dass psychedelische Therapien illegal und unwissenschaftlich seien. Beide Behauptungen sind schlichtweg falsch. Erstens sind psychedelische Therapien nicht per se verboten (siehe Mitteilung der Ärztekammer hier). Es gibt legale Substanzen wie z.B. Ketamin, welche von Ärzten z.B. zur Behandlung von behandlungsrelevanten Depressionen eingesetzt werden. Verboten sind hingegen nur die Substanzen, die den jeweils geltenden Betäubungsmittelgesetzen unterstellt sind. Und dass psychedelische Therapien unwissenschaftlich sind, kann man ebenfalls nicht behaupten. Psychedelika sind in den letzten zehn Jahren international vermehrt Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen geworden. Deren Ergebnisse zeichnen eher ein vielversprechendes Bild mit möglichen Indikationen zur Behandlung z.B. von posttraumatische Belastungsstörungen, Angsterkrankungen oder Depressionen. Diese Forschungen werden in Deutschland allerdings noch kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

 

Psychedelische Therapien sind auf dem Weg in den Mainstream

Die in den Medien kolportierten Darstellungen über die Tätigkeiten der Psychedelischen Gesellschaft Deutschland (PDG) sind irreführend und werden weder ihrem Selbstverständnis noch der Komplexität der Thematik gerecht. Das tendenziöse Narrativ orientiert sich nicht an den wissenschaftlichen Haltungen und konterkariert die tatsächlichen Intentionen der PGD. Durch die Weglassung von wesentlichen Informationen und der geschickten Aneinanderreihung von aus dem Kontext gerissenen Aussagen soll der Eindruck entstehen, dass das Angebot der PGD unseriös oder sogar ungesetzlich ist. Die Vorträge an den Universitäten z.B. dienten mitnichten der „Rekrutierung neuer Anhänger“, sondern der Anregung eines Diskurses über psychedelische Therapien – auch im sogenannten „Untergrund“. Eine entsprechende Stellungnahme der Fachschaftskonferenz, welche trotz Kenntnisnahme der Redaktion nicht berücksichtigt wurde, findet sich hier: https://www.uni-marburg.de/fb04/fachschaft/protokolle/psyfakokonstanz.pdf.

Es wäre sicher naiv zu erwarten, dass unsere Gesellschaft den Wert psychedelischer Erfahrungen ohne Probleme prompt anerkennt. Doch halten wir einseitige und unsachliche Reportagen über die seit Jahrzehnten im verborgenen stattfindenden Sitzungen nicht nur für wenig hilfreich sondern sogar für kontraproduktiv und unverantwortlich, da dies die Betroffenen aus Angst vor Verurteilung eher noch mehr in die soziale Isolation treibt. Wir freuen uns über sachliche Kritik unserer Argumente im Rahmen authentischer Diskurse. Wir können miteinander reden und wir halten unsere Ansichten nicht für die letzten Weisheiten. Auslöser für all unsere Bemühungen waren die Todesfälle von Berlin 2009, denn so etwas darf nie wieder passieren. Die Entwicklung eines therapeutischen Untergrunds ist vor allem ein gesellschaftliches Phänomen – und ein weltweites dazu. Dieses auf Einzelfälle und Täter-Opfer-Dichotomien zu reduzieren ist unredlich.

In den USA wird die Zulassung von MDMA für die Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung für das Jahr 2021 erwartet. In der Schweiz gibt es Sonderbewilligungen für Gruppentherapien mit MDMA und LSD. Die Apothekenumschau berichtet über diese Therapie, so die GEO im Juni 2017. Die Kontroverse über die Legalisierung von Cannabis ist nach der Zulassung als Medikament in vollem Gange. Die Verlogenheit der Einteilung in erlaubte und verbotene Substanzen wird offen diskutiert. Die Psychedelische Gesellschaft befindet sich an einer Schnittstelle zwischen wissenschaftlichem und politischem Aktivismus, die Entwicklung und Fortschreibung der Psychotherapie- und Psychiatriegeschichte befindet sich an einem Scheideweg. Dass es an dieser Stelle zu Turbulenzen kommt, darf uns nicht abschrecken, weiterhin für unsere Positionen einzustehen.

 

Argumente für unsere Bemühungen

Eines der Hauptprobleme von psychedelischen Therapien ist die Verschwiegenheit, welche aus dem stigmatisierten und teilweise illegalen Kontext resultiert. Dies gefährdet die Sicherheit und die Gesundheit aller Beteiligten. Eine erste Öffnung dieses therapeutischen Untergrunds dokumentiert der Film „Der verbotene Weg“ von 2013. Durch die Outing-Aktion „Meine Seele gehört mir!“ angeregt, hat sich 2015 ein Teil der Szene der Öffentlichkeit gestellt trotz möglicher negativer persönlicher Konsequenzen (einige haben bereits ihren Job durch ihr Outing verloren). Diese Aktivitäten als „Werbung“ umzudeuten betrachten wir als durchschaubaren Versuch, unsere Bemühungen bei der Dokumentation realer Verhältnisse zu entwerten.

Es gibt weltweit immer mehr Menschen, die sich für psychedelische Erfahrungen ernsthaft interessieren und eben diese wollen wissen, worauf sie bei ihrer Selbsterforschung achten müssen, damit die Erfahrung möglichst positiv verläuft und Risiken weitestgehend minimiert werden. Fehler geschehen am ehesten unter ungünstigen Umständen (meist schlechte Vorbereitung hinsichtlich Set & Setting, Unreinheit der illegal erworbenen Substanzen, fehlende medizinische und therapeutische Vor- und Nachsorge und Supervision), aber nicht per se aufgrund der psychedelischen Erfahrung selbst. Den Gefahren des Konsums psychoaktiver Stoffe muss durch Aufklärung und Schadenbegrenzung begegnet werden, die sich am aktuellen Wissenstand orientiert. Drogenkonsum ist ein weit verbreitetes Faktum. Es ist daher nach unserer Auffassung besser für die Menschen, wenn sie wissen, was sie tun und schlechter, wenn die nötige Aufklärung und Information fehlt. Konsumkompetenz geht vor Unwissenheit und moralischen Verurteilungen.

Es hilft den entsprechenden Personen oft erheblich, wenn sie mit ihrem Anliegen und ihren psychedelischen Erfahrungen (vor allem auch schwierigen) verstanden werden und sie aufrichtige Unterstützung bei deren Integration erhalten. Sie für Ihr Interesse zu stigmatisieren halten wir für wenig hilfreich und wissenschaftlich sowie ethisch unangemessen.

Statt bloße Annahmen zu verbreiten, welche nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, wollen wir durch solide Aufklärungsarbeit zur Sicherheit der Anwender beitragen und auf Grundlage bestehender Literatur und aktueller Forschungsergebnisse für wesentliche Faktoren sensibilisieren, wie z.B. Set & Setting, Umgang mit schwierigen Erfahrungen und Integration. Die Informationen, welche die PGD veröffentlicht sind so oder ähnlich bereits im Internet oder in diversen Publikationen zu finden und keine eigenen Erfindungen. Zudem dokumentieren wir, welche Erfahrungen Menschen mit Psychedelika gemacht haben und welche positiven Langzeiteffekte oder auch negativen Folgen bzw. Gefahren auftreten. Das langfristige Ziel unserer Tätigkeit ist die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Erfahrungskomplexe und die Schaffung eines professionalisierten Erfahrungsrahmens für die Anwender.

Wir warnen immer wieder ausdrücklich vor missbräuchlichem und unkontrolliertem Drogenkonsum und vor entsprechenden psychischen und physischen Langzeitschäden! Unsere Informationen dienen nicht dem Zweck des Freizeitgebrauchs von Drogen („recreational use“) und den damit verbundenen entsprechenden Risikofaktoren. Psychedelische Erfahrungen haben eine spezielle Charakteristik und sollen nicht die Flucht vor der Realität lancieren.

Das Angebot der Psychedelischen Gesellschaft Deutschland ist nicht an Patienten gerichtet, die professionelle Hilfe bei einem Therapeuten suchen und propagiert nicht den Einsatz illegaler Substanzen in der Therapie. Wenn überhaupt befürworten wir im Hinblick auf die aktuellen Forschungsbemühungen die Wiederzulassung derartiger Substanzen, wie es sich aktuell in den USA abzuzeichnen scheint. In diesem Zusammenhang befürworten wir ebenfalls die Entwicklung von therapeutischen Modellen und Methoden, welche die Natur psychedelischer Erfahrungen erfassen, um Nutzen erhalten und Risiken minimieren zu können.

Wir befürworten auch nicht den freien Konsum illegaler Substanzen, sondern betonen lediglich einen eigenverantwortlichen Umgang, welcher erlernt werden kann. Wir befürworten jedoch eine Revision der aktuellen Drogenpolitik, weg von Repression und Kriminalisierung der Konsumenten.