In der Psycholyse geht es um Selbsterkenntnis, um Erneuerung, letztlich um das, was uns fehlt: die Liebe.

Bereits der erste Kontakt 1999 mit bewusstseinserweiternden Substanzen im Freundeskreis hat mein ganzes Leben, meine Ausrichtung geändert. Es war ein Durchbruch, ein Glücksfall für mich. Liebe, Stille und Verbundensein erfüllten mich bei dieser ersten Erfahrung. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt und dass ich so fühlen kann. Tiefe Erkenntnisse über mich selbst und die Welt kamen noch im Laufe der Jahre hinzu. Unbeschreiblich war es, die ganze Menschheit zu fühlen mit ihrer Gewalt, dem Hunger, ihrer Vergnügungssucht und Verrücktheit. In dem damit verbundenen Schmerz wurde sichtbar, dass das alles in mir ist, dass wir eins sind. Es gibt noch etwas Grösseres als unsere materielle Welt, ein Universum, das von Liebe und Intelligenz durchdrungen ist. Wir trennen uns davon und erschaffen eine Welt der Trennung und Zersplitterung. Persönlich konnte ich mein Leben voller Konditionierungen und ungesunder Muster erkennen, die mich behindern mein Potential zu entfalten.
Ich lernte über Selbsterkenntnis und mir war am Anfang gar nicht klar, dass das eigentlich ein Weg ist, den man ein Leben lang geht und der alles verändern kann. Denn wenn ich verstehe, wie ich psychologisch funktioniere, wie wir uns unsere Welt machen, findet Heilung statt. Erst mit diesem Verstehen lösen sich die Muster auf und ich werde frei für etwas Neues. So führte es mich schliesslich in ein anderes Land, in eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, in einen neuen Beruf. Seit 2006 lebe ich nun in der Kirschblütengemeinschaft, einer Wohn- und Lebensgemeinschaft von Menschen, die Selbsterkenntnis betreiben wollen. Hier gibt es auch schwierige Herausforderungen und Konfrontationen. Echte Gemeinschaft ist schwierig zu leben. Denn wir müssen noch lernen, die volle Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen und Auseinandersetzungen mit absoluter Ehrlichkeit uns selbst und den anderen gegenüber zu führen.

Die Psycholyse kann als psychotherapeutisches Verfahren dabei sehr hilfreich sein, denn die Substanzen zeigen unsere Blockaden auf und auch was möglich ist, wenn wir über das Persönliche hinausgehen. Unser Potential wird sichtbar, nicht nur mein eigenes, sondern auch als Gruppe, als Menschheit. Das Erleben von Einheit und Liebe und dass wir wie alles auf der Welt aus Energie bestehen, die nicht in gut oder schlecht getrennt werden kann, ist ein heilsamer Prozess und das zentrale Anliegen der psycholytischen Arbeit. Doch letztlich geht es nicht um die psycholytische Erfahrung, sondern um deren Integration im Alltag. Selbsterkenntnis wird zu einer Disziplin der Aufmerksamkeit auch ohne Hilfsmittel.

Psycholytische Psychotherapie stellt höchste Ansprüche an Therapeut und Klient. Glücklicherweise konnte ich unter der Leitung professioneller Therapeuten lernen. Samuel Widmer und Danièle Nicolet sind wie niemand sonst, den ich kenne, mit dieser Art der Energiearbeit vertraut. Beide erlebe ich als sorgfältig arbeitende und achtsame Seminarleiter, als kompetente Psychotherapeuten, mich tief berührende spirituelle Lehrer und integre Menschen. Mit diesem Erfahrungsbericht möchte ich meinen Teil beitragen zur Aufklärung über den Nutzen von Psycholyse und gegen die Verleumdung von Menschen, die sich dafür einsetzen.

Susanne Engelkamp (54), Schulische Heilpädagogin