Im Alter von 35 Jahren wurde ich von einem Freund auf die Möglichkeiten der Psycholyse aufmerksam gemacht. Persönlich befand ich mich gerade in einer Lebenskrise und hatte das Gefühl, bisher in meinem Leben etwas „übersehen“ zu haben. Da ich immer schon neugierig und offen war, ließ ich mich darauf ein. Schnell wurden mir die positiven Seiten dieser außerordentlichen Therapie bewusst. Alles bekam einen tieferen Sinn, die Erinnerung, warum und wofür wir auf dieser Erde sind, wurde wieder erweckt. Wenn man diesen Weg der Selbsterkenntnis geht, wird man immer auch mit den eigenen Gefühlen und Traumen konfrontiert. Nach und nach durchbricht man alle Konditionierungen und ein neuer „Blick“ auf die Welt wird möglich. Dies ist durchaus auch konfrontierend und benötigt ein gutes Maß an Selbstverantwortung. Daher ist die Bereitschaft, diese Verantwortung zu übernehmen, auch eine Grundvoraussetzung dieser Therapiemethode.

Für mich ist es unverständlich, dass innerhalb des Oberbegriffes „Droge“ nicht differenziert wird. Durch meine berufliche Tätigkeit als Unternehmensberaterin bin ich mit Führungskräften verschiedenster Branchen in Kontakt. Zutiefst bestürzt hat mich lange Zeit, dass einige von ihnen mir offen über ihre Kokain und/oder Heroinabhängigkeiten berichten. In manchen Branchen, gerade in der Banken- und Finanzwelt, gehört der Konsum von Kokain zum Alltag. Nicht etwa, um das eigene Bewusstsein zu erweitern, sondern um es zuzuschütten, um dass, was sie tun, noch irgendwie zu ertragen. Kokain und Heroin gehören zu den abhängig machenden und eher zerstörerischen Drogen.

Ich setze mich für eine Differenzierung und damit für eine Legalisierung von Drogen wie MDMA, LSD, Meskalin etc. ein, deren Potenzial in unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde. Den Vorwurf der „Gehirnwäsche“ durch solche Substanzen kann ich nur mit Humor nehmen und bin froh, dass mein Gehirn liebevoll gewaschen wurde. Gleiches gilt dem Vorwurf, einer Sekte nahe zu stehen. Es gibt Menschen, die sich eigenverantwortlich auf den Weg machen, neue Lebensformen für eine neue Gesellschaft auszuprobieren. Ihr Ziel ist es, die Liebe in den Mittelpunkt ihres Lebens zu setzen. Falls man eine solche Bewegung als Sekte bezeichnet, ist es für mich ein Ausdruck der Verwirrungen des menschlichen Geistes. Einer solchen „Sekte“ stehe ich gern und mit ganzem Herzen nahe.

Ulrike Epping (53 Jahre)
Geschäftsführerin trans-Vision Gesellschaft für Unternehmensentwicklung
Psychologische Beraterin, Coach
Verheiratet, 2 + 2 erwachsene Kinder