1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Als junger Mann, mit Anfang 20, habe ich nachts gearbeitet und tagsüber studiert, bis mich das Schicksal „aus dem Spiel genommen“ hat, weil ich mich überforderte. Heute sagt man burnout dazu. Im Nachhinein betrachtet war das ein Glück für mich, denn ich kam mit der Psychoanalyse nach C. G. Jung in Berührung. Eine große Neugierde und Leidenschaft für Selbsterkenntnis wurde in mir geweckt und ich war entschlossen vieles dafür zu geben. Später lernte ich einen Lehr- und Kontrollanalytiker kennen und schätzen, mit dem mich heute noch eine tiefe, dankbare Freundschaft verbindet. Nach vielen Jahren Psychoanalyse mit ihm kam ich an einen Punkt, an dem ich auf der Stelle trat, nicht weiterkam, und fühlte, dass ich vor einem mir nicht zugänglichen Tor stand. In dieser Phase riet mir mein Analytiker zur Psycholyse, die mir seinerzeit noch völlig unbekannt war. War das doch negativ besetzt, und Drogen nehmen, niemals. Erst nach längerem Zaudern war ich bereit dazu. Wie ein gewaltiger Tsunami hat mir dann die Psycholyse dieses Tor gesprengt in eine großartige, mir völlig neue Dimension, die Dimension der Spiritualität. Voller Ehrfurcht vor dem Numinosen zu stehen, die eindrücklichen, erschütternden Gotteserfahrungen, dies alles zu beschreiben ist nicht möglich – es gibt keine Worte dafür. Das überwältigende Einssein mit dem Universum die „unio mystica“ muss man selbst erfahren. Aber, wenn es nur so einfach wäre, denn ich musste auch die Kehrseite davon mitnehmen, indem ich mehrfach durch die Hölle ging und mich meinen Abgründen und Widerständen stellen musste – unausweichlich. Je höher die Höhen, umso tiefer die Tiefen. Einige Male erlebte ich meinen „Ich-Tod“, verbunden mit Todesangst und großer Einsamkeit. Dies alles aber war äußerst heilsam und befreiend.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die Psycholyse hat mir zu einer völlig neuen Sicht auf die Welt und zu einer neuen Beziehung zur Welt verholfen. Trotzdem habe ich weiterhin – meinem Naturell entsprechend – immer wieder die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit und Schaffenskraft ausgelotet, aber mit mehr Gespür und Instinktsicherheit. Eine Psychotherapie, die über den Intellekt stattfindet, ist sicherlich auch gut, aber lässt den Bereich aus, den die Psycholyse einfordert. Und zwar die Unausweichlichkeit sich mit seinen schwierigen Gefühlen auseinanderzusetzen. Diese sprengt die Blockierungen und die Grenzen zu Gunsten einer Persönlichkeitserweiterung und führt zu einem gesunden, leistungsfähigen und verantwortungsvollen Leben. Z.B. hatte ich unter Substanzwirkung die Einsicht, dass es gut für mich ist, nicht mehr zu rauchen, keinen Alkohol und keinen Kaffee zu trinken, so dass ich diese legalen, krankmachenden Drogen sein ließ. Die Beziehungen zu meinen Mitmenschen wurden warmherziger, liebevoller und großzügiger. Die Ethik im Business und die Firmenkultur hatten für mich viel mehr an Bedeutung gewonnen. Ein Segen und eine Freude zu sehen, was sich daraus entwickelte. Auch der Tod bekam eine völlig neue, angstfreie Bedeutung.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Sicherlich passieren überall Fehler, solange Menschen am Werk sind. Aber in diesem Bereich, relativ gesehen, wesentlich weniger als in anderen. Insbesondere wenn man an die vielen tausend „Kunstfehler“ jährlich im medizinischen Bereich denkt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Menschen, die sich mit der Psycholyse befassen, in der Regel gereifter und verantwortungsvoller sind. Ich kenne nur solche, die mit den zugehörigen Substanzen sorgfältig und respektvoll umgehen, und nicht hedonistisch, oder gar missbräuchlich.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Dies ist genauso ein Unsinn wie die seinerzeitige Alkohol-Prohibition in den USA, die nur die Mafia großgemacht und sonst nichts bewirkt hat. Jährlich 17.000 Tote durch Alkohol, alleine in Deutschland 2012 (eine Studie der Universität Greifswald wählte 2002 einen weiteren Blickwinkel und kam auf fast 80.000 Alkoholtote pro Jahr), und 140.000 Tote durch das Rauchen („Die Welt“ Gesundheit, vom 26.08.2009) mit vielen Milliarden € an Krankheitskosten. Ist es dagegen nicht absurd, Substanzen zu verbieten, die nachweislich heilend wirken, bewusster, verantwortungsvoller und sozialer machen? Ist es die Angst vor freien Geistern, die nicht mehr so leicht zu manipulieren sind? Ist es die gleiche Angst, die zu Hexenverbrennungen geführt hat, nur, weil sich „Hexen“, bzw. Schamanen oder Heiler, mit psychoaktiven Pflanzen auskannten, wie schon seit Jahrtausenden zuvor? Die gut erforschten Substanzen, wie u. a. MDMA, LSD, Psylocybin oder Meskalin, sollten unbedingt aus der Illegalität befreit und nur aus professionellen Händen abgegeben werden. Vor allem sollten sie „von der Straße weg“, denn für den Straßenschmutz sind sie zu schade und richten dort, unprofessionell angewendet, nur Unheil an. Gerade durch den Druck der Illegalität erscheinen immer wieder neue Designerdrogen aus dubiosen Laboren auf „dem Markt“, mit erheblichen, gesundheitlichen Risiken.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die an- deren Fragen beantwortet wurden?

Ich bin glücklich und dankbar dafür, das Privileg zu haben, dass mir vor vielen Jahren der Weg zur Psycholyse gewiesen wurde. Und ich habe großen Respekt vor den Menschen, die mutig, trotz des Verbots gerade der wirksamsten Substanzen, dazu stehen, ihren Beruf, ihre Reputation und ihre Freiheit riskieren. Diese Heilmittel Drogen oder Betäubungsmittel zu nennen ist ein großes Missverständnis. Denn das sind sie unbedingt nicht, sondern sie sind im Gegenteil „Aufweckmittel“.

Venceremos!

Willy Schweitzer (72), Unternehmer