1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Ich hatte große Probleme mit mir selbst und konnte vor allem durch Ayahuasca, aber auch durch MDMA und Cannabis das Leben und vor allem mich selbst ganz neu sehen. Ich habe mich so tief und intensiv kennengelernt, wie ich es mir nie erträumt hätte. Das waren die wichtigsten Erfahrungen für mich. Meine Psychotherapie, die schon 3 Jahre dauerte, brachte mir fast nichts.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die Psycholyse half mir sehr. Ich sehe große Unterschiede zu konventioneller Psychotherapie. In konventioneller Psychotherapie gibt es eine Hierarchie, die den Patienten systematisch entwürdigt, da der eine krank, der andere gesund ist. Einer ist verzweifelt, der andere kennt zwar Rat, gibt ihn aber nur von sich, wenn es ihm gerade passt. Zudem ist das Verhältnis zwischen Patient und Therapeut hochgradig krank. Einer zieht sich bis aufs Hemd aus, der andere tritt fast gar nicht in Erscheinung. Wenn es aber darum gehen soll, so sehr man selbst zu sein, wie nur irgend möglich, dann wird einem das vom Therapeuten zumindest nicht vorgelebt, was ich für einen ganz fundamentalen Konstruktionsfehler von heutiger Psychotherapie halte. Es fehlt die Natürlichkeit.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Wie in 2. schon geschrieben, sehe ich das exakt gegenteilig. Warum? Ganz einfach: Wenn ich z.B. Ayahuasca trinke, dann erfahre ich mich und mein Leben selbst und ich ziehe die Schlüsse daraus. Unter Ayahuasca gibt es auch sehr unterschiedliche Anwendungen, aber wenn es gut und richtig gemacht wird, dann sagt mir keiner, was ich zu tun habe, was ich zu fühlen habe und was für Schlüsse ich daraus ziehen soll. Das gibt mir sehr viel Würde und Selbstbestimmung. Manipulationsversuche kenne ich aber aus klassischer Psychotherapie sehr gut.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Ich finde das unmöglich. Es ärgert mich sehr, denn ich will selbst darüber entscheiden, wie ich mich heile. Mein Heilungsweg geht definitiv über psychoaktive Substanzen, vor allem Ayahuasca und dafür fahre ich eben ins Ausland. Alle Substanzen sollten legalisiert werden.

Alexander Wolff (31), Krankenpfleger, Psychologe

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