1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Ich war unvoreingenommen, hatte die Bücher von [Stanislav] Grof gelesen und fand die Beschreibung sehr spannend. In meiner Beziehung zu meinem damaligen Mann und mit anderen Menschen merkte ich, dass sich Gefühle und Gedanken zwischen uns stellten und der Liebe im Wege standen. Ich blieb kinderlos, obwohl ich mir sehr Kinder wünschte. Was schlummert also in meinem Unterbewusstsein, dass mein Leben sich so gestaltete? Ich war vorsichtig, schließlich rauche und trinke ich nicht, ernähre mich gesund und nehme Medikamente nur im Notfall ein um meinen Körper gesund zu erhalten. Und dennoch gab es den Impuls, dem ich gefolgt bin.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Ich hatte zuvor viele verschiedene Methoden von Körpertherapie, Familienstellen und Selbsterkenntnis mit unterschiedlichen Kommunikationsmodellen ausprobiert und erfahren. Doch bei keiner der Therapieformen konnte ich meine Missbrauchsgeschichte, die ich in meiner frühen Kindheit erlebt hatte erkennen oder gar aufarbeiten. So wie die Tendolyse die Sehne löst, beweglich macht, damit der Muskel gesund seine Tätigkeit tun kann, so wie die Neurolyse den Nerv befreit und unterstützt, damit er sein Versorgungsgebiet erreicht und die Impulse übertragen kann, genauso habe ich die Psycholyse erlebt in Bezug auf meine Seele. Das was auf meiner Seele lastet, diese alte Geschichte konnte sich Stück für Stück zeigen. Kein leichter Prozess, denn er wirft viele abgespaltene Gefühle hervor, die zu nehmen sind. Gefühle wirklich allein in sich zu halten ist etwas, was ich zuvor nicht gelernt habe. Der bedeutende Unterschied zu anderen Therapieformen ist, dass ich durch dieses Verfahren überhaupt einen Zugang bekommen habe zu dem, was einst mit mir geschehen ist und mich somit selbst besser erkennen und verstehen konnte. Außerdem erfuhr ich wirkliche Herzlichkeit und ein Gefühl von „gut aufgehoben zu sein“ und „ein gesehen werden mit dem, was wirklich ist“. All das hat mir bei anderen Therapeuten und Therapiearten gefehlt.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Nein, so habe ich das nicht erfahren. Die Psycholyse konfrontierte mich mit mir selbst, mit meinen Machtkämpfen, mit meiner Lieblosigkeit. Doch ich muss ehrlich sein und immer wieder neu hinschauen können. Ebenso braucht es die Bereitschaft, sich mit schweren Gefühlen auseinander zu setzen und diese selbstverantwortlich zu sich zu nehmen. Einige Menschen können mit ihren negativen Gefühlen nicht umgehen, und so ist der/die Therapeut/in die Projektions- und Übertragungsfläche und bekommt seltsame Titel angehängt.

Ich schaue den Menschen in die Augen, beobachte sie und sehe, was sie ausstrahlen. Warum sollte ich mich von der Meinung der Presse oder von sonst wem beeinflussen lassen auf einem Weg, der mir persönlich Gesundheit und innere Stille bringt?

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Nach meiner ganz persönlichen Auffassung ist das nicht richtig und müsste geändert werden. Es ist sehr erschreckend, dass Menschen, die nie in diesem Bereich wirklich Erfahrungen gesammelt haben, urteilen und Verbote aufstellen. Ich fühle mich in meiner Freiheit eingeschränkt.  Wie möchte jemand, der noch nie geschwommen ist, Schwimmen beurteilen? Und kann jemand, der einmal in einem See baden war, wirklich mitreden? Warum kann ich nicht frei wählen, welche Therapie ich möchte und was gut für mich ist?Warum kann die Verantwortung nicht bei mir selbst bleiben?

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

Mir fällt es nicht leicht mich damit in der Öffentlichkeit zu zeigen. Zum einen ist es meine Geschichte aus der Kindheit, zum anderen bekomme ich das Leben schwer gemacht, wenn ich zu dieser Therapieform stehe. Dennoch ist es mir wichtig kundzutun, dass die Psycholyse für mich eine wichtige und wertvolle Therapieform ist. Deshalb nehme ich anonym an dieser Umfrage teil.

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