1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

In aller erster Linie ging es mir nicht um Psycholyse, sondern darum, von jemanden endlich verstanden zu werden.  Mit zwanzig hatte ich einen schweren Motorradunfall mit einem sogenannten Nahtoderlebnis. Das heisst, zwei Wesen hatten mich beauftragt diese Liebe, die ich dort gefunden hatte, auf Erden zu suchen. Danach erlebte ich ein paar Wochen eine Glückspsychose (auch eine Diagnose), weil ich einfach alle und jeden liebte und dies auch zum Ausdruck brachte. Nach etwa zwei Monaten nahm diese Phase ein abruptes Ende und ich versank in tiefer Dunkelheit. Ich war vielleicht krank – in einem gesellschaftlichen Sinne. Man hatte mir während den verschiedenen Versuchen bei Psychotherapeuten Hilfe zu finden Depressionen und ein Borderline Syndrom diagnostiziert. Nichts konnte mich mehr berühren, nichts interessierte mich mehr und eine verzweifelte Suche nach dieser Liebe hatte seinen Anfang genommen. Während einer Reise um den halben Globus in der Hoffnung, vielleicht bei den Ureinwohnern der Erde etwas wirklich Wesentliches zu finden, bin ich in einer Bibliothek auf ein Buch von Krishnamurti gestossen. Das erste Mal hatte ich etwas von dieser Qualität in den Händen. Danach folgten noch einmal lange Jahre der Verwirrung, Einsamkeit, des Nicht-Verstandenseins und für Verrückt-erklärt-werdens, bis mir jemand von einem Therapeuten namens Samuel Widmer erzählte. Sogleich war mir klar, dass ich da hin musste. So kam ich zur Psycholyse und zum besten Freund, den man auf der Welt haben kann.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die oben erwähnten Versuche, bei herkömmlichen Therapeuten Hilfe zu finden, sind vor allem daran gescheitert, dass ich nach kurzer Zeit etwas Wesentliches vermisste und das Gefühl nicht mehr loswurde, ich müsste ihnen das erklären. Ich war ein typisch therapieresistenter Fall. Das Setting der sogenannten Echten Psychotherapie mit den vielen Menschen in einem Raum erfüllte mich zu Beginn mit einer Riesenangst, die dann aber nach der Einnahme der ersten Substanz rasch verflog. Endlich durfte ich nach all den Jahren der verzweifelten Suche für ein paar Stunden die Liebe erfahren, die überall oder zumindest in meinem Leben fehlte. Die Psycholyse hat mir und hilft mir zeitweilig immer noch, auf der Spur zu bleiben, aufmerksam mir selber gegenüber zu sein. Man könnte sagen, es geht in die Richtung, Wirklichkeit bewusst zu erleben und ohne Wertung auszuhalten. Die Echte Psychotherapie ist bestimmt nicht einfacher, dafür tiefer, und was der wesentliche Punkt ist, eben echt bzw. wahr. Ohne diese Therapie wäre ich heute Alkoholikerin. Aus der Verwirrung herauszukommen war für mich das Schwierigste. Und ich wage zu behaupten, dass dies einzig und allein dank der Authentizität, der Integrität, der akribisch genauen Forschung aller menschlichen Hirnaktivitäten und vor allem dank des Verständnisses des Therapeuten gelingen konnte. Ich muss aber gestehen, dass ich bei keinem anderen mehr war. Aus der Psycholyse folgt natürlicherweise der Weg der Selbsterkenntnis oder, wie er auch genannt wird, der Weg des Kriegers. Wie schon gesagt, wer sich einen gemütlichen Spaziergang vorstellt, ist hier sicher auf dem Holzweg. Der Weg mit Herz, so Don Juan, ist der einzige Weg, der sich lohnt.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Eine psycholytische Sitzung ist natürlich eine Erfahrung, die über persönliche Grenzen hinaus gehen kann. Das ist mitunter ein Grund, warum man Substanzen schluckt. Man will über sich hinausgelangen, etwas erfahren, das grösser ist, als das Ich. Von Grenzüberschreitung zu sprechen, ist daher vielschichtig. Menschen, denen das Erleben von psycholytischen Reisen unbekannt ist, macht so eine Vorstellung vermutlich Angst. Das Bestehen auf ihre Grenzen berechtigt sie folglich, über andere, die etwas Unbekanntes wagen, zu urteilen. „Menschen mit Mut sind den anderen unheimlich“, hat Hesse gesagt. Persönlich habe ich mich noch nie in die Hände eines Scharlatans begeben, habe auch nie Machtmissbrauch erfahren. Immer mit dem Vorbehalt, dass man sich nie ganz sicher sein kann, letztendlich liegt die Verantwortung bei einem selber. In unserer Gesellschaft, in der wahrscheinlich jeder von irgend einem „Ismus“ abhängig ist, sei es nun ein Glaube oder eine Partei oder die Familie, ist es nicht gegeben, dass sich jeder bewusst ist über diese Tatsache. Daher schleichen sich schnell Mutmassungen ein, die aber möglicherweise aus unkritischer Selbsteinschätzung, Überheblichkeit, auf jeden Fall unrealistisch überzeugt von den eigenen Vorstellungen, was Lebendigkeit und Glück bedeutet, folgen können.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Es ist durchaus nicht so, dass ich Psycholyse nur im therapeutischen Setting kenne. Ich durfte auch an traditionellen Ritualen in Mexiko und Brasilien teilnehmen, die seit tausenden von Jahren zum täglichen Leben der indigenen Völker gehören. Daraus könte man folgern, dass Verbote ein Witz sind. Jemand will einem das Leben oder das Lernen über das Leben verbieten, dabei sind wir ja deswegen hier. Absurdität in sich. Nur muss man sich vergegenwärtigen, dass bestimmte Substanzen, denen wirklich Ehrfurcht gebührt, nur in kundige Hände gehören. Also müsste man folgerichtig nicht die Substanz verbieten, sondern sie nur an geschulte Therapeuten abgeben oder zumindest das richtige Setting voraussetzen.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

Über Psycholyse ist viel geschrieben worden. Das will ich hier nicht alles wiederholen. Man muss es riskieren wollen, das Leben.

Cornelia Principi, 53, psych. Beraterin

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