1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Die erste Phase der Auseinandersetzung mit Psycholyse ergab sich eher spontan aus unserem Interesse. Wir befassten uns zunächst theoretisch damit, sprich Lektüre, Analyse von Erfahrungsberichten. Darauf folgte die Praxis. Es war ein Fluss. Eine natürliche Entwicklung. Im Zuge der Praxis stand zunächst die Erforschung des ganzen Phänomens im Zentrum. Eine Verschiebung hin zu einer heilenden Verwendung ergab sich durch die entsprechenden Erkenntnisse bei der Erforschung des ganzen Phänomens. Die Praxis bildete eine über rund zwei Jahre verteilte Serie von psycholytischen Sessions: Waches Interesse, Betreten und Erforschen von unbekanntem Terrain. Dabei arbeitete ich in der Gruppe mit anderen, aber auch alleine. Mich in einer zweiten Phase wieder damit zu befassen, habe ich am Schluss der ersten für mich beschlossen und dafür eine zeitliche Distanz zur ersten von etwa 20 Jahren vorgesehen (die erste, intensive Phase war abgeschlossen; alle Fragen zur Psycholyse und etliche mehr waren geklärt).

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Die Psycholyse ist (auch) ein Instrument zur Persönlichkeitsentwicklung. Sie ermöglicht Arbeit an sich selbst. Ich war mit Aspekten meiner selbst konfrontiert, die ich entwickeln konnte. Dies galt insbesondere für die erste Phase, als die Auseinandersetzung mit der Psycholyse noch einem Erforschen entsprach und noch nicht dem systematischen Einsatz zur Stützung therapeutischer Prozesse. In die zweite Phase startete ich mit einigen seelischen Verletzungen, die ich mir zwischenzeitlich zugezogen hatte, mit denen ich mich jedoch inzwischen irgendwie arrangiert hatte. Das Resultat ihrer Bearbeitung durch die Psycholyse in der zweiten Phase freut mich wirklich sehr.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Solosetting ist mein bevorzugter modus operandi. Diesen habe ich mir in der ersten Phase (s.o.) mit der Zeit angewöhnt oder antrainiert. Warum wohl? Die Unterstützung eines Therapeuten würde ich zur Nachbereitung nur bei ausgewiesenem Bedarf und nicht auf Vorrat hinzuziehen. Gerade zur Nutzung der heilenden, spirituellen Kraft der Substanzen scheint mir das Solosetting sogar hervorragend geeignet; insbesondere lassen sich unberechenbare Interferenzen aus dem Setting weitgehend ausschliessen. Meiner Ansicht nach ist es bei entsprechenden Erfahrung nicht mehr erforderlich, sich bei der Psycholyse von therapeutischem Personal begleiten zu lassen. Bei entsprechender Erfahrung ist das Solosetting eine valable Möglichkeit.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Eine offizielle Anerkennung des therapeutischen Gebrauchs der Substanzen ist meiner Wahrnehmung nach unter den gegenwärtigen Umständen kaum kurzfristig realisierbar. Eine Legalisierung ist meiner Meinung nach aber auch nicht unbedingt erforderlich: letztlich handelt es sich dabei nur um einen bürokratischen Akt des Zahnziehens an einem Papiertiger. Das Verbot wird weiterhin zu dulden sein. Im Übrigen ist es in den USA möglich, schamanisch geführte Psycholyse (Ayahuasca healing) legal zu absolvieren. Auch in anderen Ländern, die nicht derart überreguliert sind wie Europa, gibt es solche therapeutische Angebote.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die anderen Fragen beantwortet wurden?

Ich bin ich zur Überzeugung gelangt, dass die psycholytisch heilwirksamen Substanzen zum heutigen Zeitpunkt als Heilmittel und/oder spirituelles Element ungeeignet sind für die breite Öffentlichkeit. Ihre Anleitung zur Psycholyse wäre zu aufwändig und würde auch dem Grundsatz widersprechen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, der meiner Ansicht nach eine Fähigkeit darstellt, die eine fundamentale Voraussetzung für den Umgang mit diesen Substanzen ist. Trotz dieser objektiv gegebenen beschränkten Verkehrsfähigkeit der Substanzen hat jene Gruppe von Menschen, die sie in ihrer spirituellen und/oder therapeutischen Praxis aus freier Überzeugung für sich umarmen, jeden Anspruch auf Zugang. In der juristischen und politischen Praxis wäre deshalb die Quadratur des Kreises nötig: wir werden uns daher bis auf Weiteres wohl in unseren Breitengraden mit den Umständen, die das Verbot verursacht, arrangieren müssen.

Cosmic B. (42), Administrativer Mitarbeiter

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