Ja, ich habe psychoanalytische Sitzungen durchlaufen, 15 insgesamt, sehr lange her. Und habe sehr profitiert in Richtung Selbstbestimmung, Befreiung von verhärteten Zwängen.

Ja, ich würde es – falls ich in einer ähnlichen Situation wie damals stecken würde – wieder machen. Eine Gefährdung meinerseits sah ich nie, auch nicht eine gefährliche Abhängigkeit vom Therapeuten, oder einen Machtmissbrauch seinerseits (was jedoch seiner Selbstkenntnis und seiner Menschenkenntnis geschuldet gewesen war).

Der damals angestoßene Bewusstwerdungsprozess ist ohne weitere psycholytische Sitzungen Jahrzehnte weitergelaufen, mal schwächer mit Pausen, mal intensiver, und hat mir gerade in den letzten Jahren wieder verstärkte Bewusstwerdungen aus frühkindlicher Zeit beschert. (Habe allerdings in weiten zeitlichen Abständen von Monaten bis Jahren die Durchlässigkeit zwischen Verstand und Gefühl, die Selbstwahrnehmung, mit geringen Mengen 2C-C oder Mescalin oder 2C-D etwas gesteigert.)

Das Wichtigste zu meinem Set und Setting:

Benutzt wurde meistens Mescalin, aber auch je ein mal LSD, TMA-2, JB336 (ca. 1 mg als Additiv). Es waren Einzelsitzungen in Abständen von Wochen bis Monaten. Ich schrieb anschließend Sitzungsprotokolle, die wir besprachen. Der Therapeut war in der Erwachsenenbildung tätig, geschult in Rhetorik und Psychoanalyse und hielt sehr erfolgreich Fortbildungsseminare ab zur persönlichen und politischen Weiterentwicklung. Seine Ausrichtung wird deutlich anhand der Autoren, bei denen er mehr oder weniger „zu Hause“ war: Siegmund Freud, Alfred Adler, Karl Marx, Elias Canetti, Manes Sperber, Norbert Elias, Klaus Theweleit, Günther Bittner, Alice Miller, Wilhelm Reich, Otto Rühle, Ernest Mandel, David Cooper, Claudio Naranjo, Erich Fromm, Melanie Klein, Hanscarl Leuner…., um einige zur Charakterisierung zu nennen. Ob er selber als „Analysand“ psycholytische Sitzungen mit einem anderen „Therapeuten“ machte, erfuhr ich nicht; vermute das aber, denn es war auch mir schnell klar, dass ein therapeutischer Begleiter nur so weit während einer Sitzung helfen kann, wie er sich selbst seiner Probleme bewusst ist (analog zu den Lehranalysen der angehenden Psychoanalytiker); zumindest sich seiner Probleme bewusst ist, was nicht unbedingt heißen muss, dass er sie für sich in jeder Situation neutralisieren kann. Insbesondere denke ich aber jetzt im Nachhinein, dass es wichtig ist, dass er Übertragungs- und Projektionssituationen erkennt und auflösen kann, sonst verstärkt er sie noch durch Rückübertragung (=Eingehen auf die Projektionen des Analysanden).

Ich war Student, ca. 20 Jahre alt und total „verklemmt“, verängstigt, verträumt, ahnungslos, konfliktscheu und schüchtern bis zur Blödheit, was Sexualität, Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit etc. betraf. Mit dem Begriff „Agressionshemmung“ ist das gut beschrieben. Konflikte, Streit usw. kamen mir immer vor wie ein Tabubruch, ich hatte Angstanfälle bei drohendem Konflikt und litt in kontroversen Diskussionen unter Stottern und Denkhemmung (gerade dann, wenn man schnelles Denken braucht!). Ich hatte mich zu einem typischen „Drückeberger“ entwickelt, der das aber gut zu verschleiern wusste, vor sich selbst und vor Anderen, kontroverse Situationen von vornherein mied, dabei aber litt; den Grund seiner Leiden aber kaum kannte. Das einzige Feld, wo ich still und heimlich triumphieren konnte, war das Fach meines Studiums; dort, bis in meine späteren Lebensjahre hinein nach Anerkennung lechzend, die ich auch gelegentlich bekam, bzw. mir selber gab. Ich nahm die Kraft aus meinem „Fetisch“, dem „Fach“, dafür tat ich alles. Und der Erfolg im „Fach“ half mir mein bisheriges Leben lang mich immer wieder mit einem „Sprung“ aus meinen nicht bewältigten Konflikten und Widersprüchen zu retten (das ist der Zweck eines Fetisch, und das leistet er auch, wenn man bereit ist, ihn zu hegen und zu pflegen, alles, was einem möglich ist, für ihn zu tun, und ihn für das Wichtigste auf der Welt zu halten); ich identifizierte mich mit dem „Fach“, da musste und wollte ich gut sein, das war der alles entscheidende Halt und Wertgewinn für mich, und alles andere „braucht mich nichts anzugehen“. Das war/ist meine „Lebenslüge“, um es mit Alfred Adler zu sagen.

Nun, diese Lebenssituation wurde mir mit Fortschreiten der Sitzungen stückweise mehr und mehr bewusst, in dem Sinne, dass ich die frühkindlichen Situationen wiedererlebte, die dazu geführt hatten, dass ich mich für eine solche Haltung entschieden hatte. Ich konnte mich in meinem Verhalten zunehmend freier geben, z.B. Konflikte waren nicht mehr so angsterzeugend; genauer gesagt: die entstehende Angst bei Konflikten konnte ich bejahen und mit ihr (nicht gegen sie ankämpfend!) „in den Kampf ziehen“. Das wurde langsam über die Jahre zur Gewohnheitssache, und der sich einstellende Erfolg bestärkte mich, und ließ auch die Konfliktangst schrumpfen.

Wer sich für Details interessiert: Protokoll und Besprechung der ersten Sitzung (zweite bis fünfte Sitzung ebenfalls in diesem Thread).

Was ich aber noch loswerden möchte:

Ich bin sehr zornig wegen des Abwürgens dieser sehr potenten psychotherapeutischen Methode. Hier wird mit allen, auch unlauteren Mittel, gearbeitet:

– Reißerische Darstellung in den Medien bei Unglücksfällen – die durch das Abdrängen in den illegalen Untergrund selbstredend wahrscheinlicher sind, als bei legalen, medizinisch und analytisch supervisierten psycholytischen Therapieen.

– Kein deutliches Unterscheiden zwischen Party-Aufputschungen mit Spaß- oder Trance-Ziel und psychotherapeutischer Arbeit.

– Große Unkenntnis und – bewusste ? – Falschdarstellungen auch von den renommiertesten Fachleuten.

So wird z.B. geleugnet, dass überhaupt Patienten behandelt wurden: in der Darstellung der Leugner sind es keine Patienten, sondern Kollegen oder Probanden gewesen – (können solche etwa keinen Leidensdruck haben, und werden solche vielleicht erst mit einer Überweisung zu Patienten ?).

– Es wird behauptet, dass die Psycholytiker der Meinung wären, die Einnahme der Substanz allein würde helfen; selbstverständlich hilft allein die Einnahme eines Psychedelikums allenfalls kurzfristig – da unter günstigen Umständen eine psychische Entlastung stattfinden kann. Die Bewusstwerdung kleinkindhafter Entscheidungen und ihrer Fixierungen ist das, was helfen kann. Die Bewusstwerdung verhilft im normalen Leben zu der Freiheit, sich unabhängig von den kleinkindhaften Fixierungen in Situationen anders zu verhalten; was dann immer wieder trainiert werden kann, bis es zur Routine geworden ist; insofern kaum ein Unterschied zu klassischer psychoanalytischen Therapie.

– Juristische Einordnung der wirksamsten Substanzen (LSD, Mescalin, Psylocybin, MDMA etc.) unter das Betäubungsmittelgesetzt (diese Entscheidung war ja wohl von keinerlei Sachkenntnis getrübt!).

– Ausnahmegenehmigungen für weitere Forschung und Entwicklung sind zwar prinzipiell möglich, aber unerschwinglich teuer geworden, da Qualitätsnachweise wie bei der pharmazeutischen Industrie verlangt werden (z.B. auch für Substanzen, deren Anwendung am Menschen seit Jahrzehnten erforscht ist).

Hans Meyer (Name geändert), Biologisch Technischer Assistent

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