Psycholyse – Ein Erfahrungsbericht

Über den Text „Die Abmachung“, der mich tief berührte auf einem Seminar, stoss ich auf das Buch „Im Irrgarten der Lust“ und erfuhr darin das über die psycholytische Arbeit. Es war das erste Mal, dass jemand genau das beschrieb, was ich innerlich für mich als wahr erkannte. Es interessierte mich dann die psycholytische Arbeit sehr und 1999 besuchte ich die erste Sitzung dieser Art bei einem erfahrenen Therapeuten. Diese Arbeit hat mir zu Durchbrüchen verholfen, für die ich enorm dankbar bin. Ich war damals noch jung (20 Jahre) und „unerschrocken“, doch merkte ich schnell, wie mächtig diese Hilfsmittel sind. Auch welchen Respekt und welche Disziplin sie erfordern, um damit nicht in den Räumen, die sie bieten, verloren zu gehen. Das konnte ich damals gut lernen. Vermutlich auch durch das holotrope Atmen, das eine hohe Disziplin erfordert. Es war für mich ein Weg vor der Psycholyse das Bewusstsein zu erforschen.

In den ersten Erfahrungen verlor ich mich immer wieder gerne in den optischen, sinnlichen Wahrnehmungen bis schnell deutlich wurde, dass es mit diesen Hilfsmitteln mitunter darum geht, in die Stille zu finden, in der alles einfach ist. Nach ca. drei Sitzungen verschwanden auch die optischen Illusionen. Sie wichen der Klarheit und einer Form des Sehens – eines nüchternen Sehens dessen, was ist. Mir wurde bewusst, wie diese Arbeit das Bewusstsein schärft. Insbesondere durch die Verlangsamung des Denkens wurde dieses „dechiffriert“ oder überhaupt erst sichtbar. Mit Hilfe der Psycholsyse erkannte ich immer mehr meine Muster, die mein Handeln und mein Denken bestimmten, mit den Emotionen, die darin verwoben sind. Es ernüchtert und fasziniert auch, wie raffiniert diese Muster sind. Es braucht wahrlich einen „Kriegergeist“ um sie zu überwinden.

Mir wurde damals deutlich, wie essenziell die Arbeit mit den Gefühlen ist – die persönliche, individuelle Auseinandersetzung damit – hin zum Kern – zum Wesentlichen. Für diese Arbeit mit den Gefühlen, insbesondere diesen stillhalten zu können, braucht es Energie. Durch die Psycholyse bekommt man einen Schub an Energie geschenkt um das überhaupt wahrnehmen zu können. Mit diesem Mehr an Energie gelingt es dann, tief sitzende persönliche wie auch kollektive Muster zu überwinden.

Die Psycholyse führte mich in ein konkretes Erwachen für die Wirklichkeit und Liebe. Mich zu stellen, erst einmal mich selbst, führte zu einer konkreten Auseinandersetzung, was in mir wahr und stimmig ist. Darin liegt eine große Bereicherung, all die inneren und äußeren Verbote in sich zu stellen. Sie zu überprüfen und zu hinterfragen. Woher sie stammen und ob sie stimmig sind oder ob die Verbote vor einer tieferen Auseinandersetzung »schützen«. Ich bemerkte, wie subtil Tabus ein Schauen auf das was wirklich ist verhindern. Das ist das eigentlich gefährliche an den Substanzen: man sieht klar! Ohne „Sonnenbrille“ oder andere „Filter“.

Wenn ich es mir leisten kann, mich wirklich zu sein, mich ganz zu zeigen, erst dann kann sich das Potenzial frei entfalten. Solange in mir die Wahrheit keinen Platz findet und ich sie boykottiere oder bekämpfe, da ich sie für nicht „edel“ genug erachte, bleibt ein Teil blockiert, ungeliebt und leblos. Der ganze Prozess ist nüchtern und oftmals mühsam. Insbesondere das Erkannte im Leben zu integrieren, erfordert einem alles ab. Es veränderte mein Leben tiefgreifend. Aber ich bin sehr dankbar dafür, ein wahrhaftiges Leben zu leben. Und seitdem, ist ein anderer Fluss und vor allem ein Vertrauen in dieses Leben da, wo ich vorher scheu und schüchtern mich dem Leben oftmals verweigerte.

Ich erlebe den psycholytischen Weg als „Weg des Erwachsenwerdens“ – oder als Erwachen zum Erwachsensein hinein in die Liebe und Verantwortung. Den Blick immer wieder auf das Ganze, auf alles zu richten, die Aufmerksamkeit gleich zu verteilen, nicht an etwas haften zu bleiben, sondern verankert zu sein, im Ganzen, das fühlt sich erwachsen an. Wenn ich klar sehen kann, wenn ich erwachsen bin, setze ich die Kraft bewusst dort ein, wo sie gebraucht wird. Und mit dem Erwachsensein, beginnt die Übernahme der vollen Verantwortung für all das was im Leben passiert oder eben auch nicht passiert. Man hat sie dann. Sie ist der „Preis“ der Freiheit… Und erst die letzte Zeit erkenne ich, dass diese Verantwortung ein Geschenk ist und keine Bürde.

Ich war bei unterschiedlichen Psycholyse-Therapeuten. Und mit den jeweiligen Lebensthemen war es gut und richtig die unterschiedlichen Schwerpunkte mit anderen Menschen anzuschauen. Bei keinem der Therapeuten fühlte ich mich in eine Abhängigkeit verstrickt. Gerade durch das nüchterne sehen, erkennt man auch, wo der Therapeut „steckt“; insofern erfordert es vom Therapeuten eine hohe Kongruenz und Integrität.

Der Weg der Psycholyse erfordert eine hohe Ernsthaftigkeit. Er ist keine Wohlfühl-Therapie für »Alt-Hippies«. Ich habe über die Psycholyse meinen Lebenssinn erkannt, auf dem mein heutiges Lebensglück gründet.

Spontan fallen mir abschließend die Worte Erich Fromms ein: »Der Sinn des Lebens ist der Vollzug des Lebens selbst«.

Martin W. (36), Dipl.Kfm.

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