1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig?

Für mich war es damals so (mit ca. 20 J.), dass das „normale“ Leben so doch nicht alles sein kann. Da muss noch mehr sein. Da gab es eine grosse Unzufriedenheit in mir und ich wollte Veränderung. So bin ich auf verschiedene Substanzen gestossen, die das Bewusstsein „erweitern“, mir mehr zeigten, also eine andere Wahrnehmung auf die Dinge eröffneten. Leider habe ich zu dieser Zeit noch keinen Lehrer oder Schamanen gekannt, der mich bei meiner Suche unterstützen konnte. Ich hatte danach einen „kleinen“ Absturz in härtere Drogen, da mein „normales“ Leben unverändert blieb. Erst die Liebe zu einer Frau half mir wieder Freude am Leben zu haben. In dieser Zeit haben wir zu den Jahresfesten gelegentlich Pilze genommen und dadurch einen starken Kontakt mit der Natur und ihren Kräften gepflegt. Erst viele Jahre später bin ich dann auf die Psycholyse gestossen (Suche mit Unterstützung). Für mich persönlich gibt es immer wieder Zeiten, in denen ich diese Arbeit als wichtig und unterstützend finde. Etwas in mir will dann ans Licht kommen und dafür bin ich diesen Substanzen dankbar, dass das damit möglich wird.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Ich habe mich einige Jahre auf dem Yogischen Weg befunden, also Meditation usw. Bei der Psycholyse empfinde ich die Verstärkung verschiedener Gefühle speziell, wie z.B. Unaushaltbarkeit, Angst, Hoffnungslosigkeit, doch auch Allmächtigkeit, Kraft, Liebe. Mit allen anderen Therapien bin ich nicht so stark mit diesen Gefühlen konfrontiert worden, oder es gibt die Möglichkeit zum Ausweichen. Das ist mit der Psycholyse anders, da ist es schwerer, dem auszuweichen. Also ein guter Weg um mit Gefühlen umgehen zu lernen. Ich persönlich bin dadurch ernsthafter, verantwortungsbewusster und klarer geworden. Etwas freier könnte man wohl auch sagen, da ich mich und die Welt mit ihren Verrücktheiten besser aushalten kann, und dadurch voller im Leben bin.
…da ist noch viel zu Lernen….

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschreitung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Es gibt natürlich Autoritätskonflikte, persönliches Gehabe und Grenzüberschreitungen, wie im normalen Leben. Doch in einem ernsthaften Setting gibt es die Möglichkeit, sich selbst und andere besser wahrzunehmen, und dadurch einen „gesunden“, ehrlichen Umgang mit diesen Problematiken/Herausforderungen zu finden. Und was man so liest, macht mich oft ratlos und traurig, da die keine Ahnung haben und sich nicht wirklich für die Sache interessieren, sondern Sicherheit propagieren oder Aufmerksamkeit erzeugen wollen durch Sensationsgeilheit. Schade!

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Die Natur hält uns viele Substanzen bereit und es gibt auch einige synthetische Substanzen, die echt wertvoll sind. Leider ist unsere Kultur verbietend, hat also Angst vor dem freien Gebrauch solcher Substanzen. Das liegt halt für viele in der Prägung. Es bräuchte da eine andere Sichtweise auf den Prozess des Lebens, auf die Evolution jedes Einzelnen sowie auf die Gesamtheit, dann könnten solche „Helfer“ auch ihren Platz im ganzen finden. Doch in einer Kultur, die vom Sicherheitsdenken dominiert wird, hat so etwas nicht wirklich Platz. Die Ausrichtung ist auf Angst anstatt auf Liebe, auf verbieten statt gewähren. Da geht es auch um das abhängig sein vom Status Quo und nicht ums eigenverantwortliche Sein – zu dürfen.

5. Hast du noch weitere Bemerkungen, die dir wichtig sind, sofern sie nicht durch die an- deren Fragen beantwortet wurden?

Ich wäre für eine bessere, wahrere Aufklärung über Substanzen und ihre Anwendungsmöglichkeiten. Dann sollte jeder selber bestimmen können ob er oder sie damit experementieren wollen. Eine kontrollierte Abgabe vom Staat würde auch helfen, dass es eine gute Qualität und richtige Dosierungen geben würde, also weniger gefährlich wäre für die Konsumenten. Die Kriminalität um Drogen wäre somit aufgehoben, also kein illegales Geschäft mehr.

Oliver (41), Sozialpädagoge in A.

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