1. Warum hast du Psycholyse gemacht? Hattest du persönliche Probleme, warst du in Therapie oder warst du z.B. einfach neugierig

Während einer meiner Reisen nach Deutschland in den späten achtziger Jahren hatte mir ein Freund MDMA angeboten. In dieser Zeit ging es mir nicht besonders gut, vielleicht hatte ich eine Midlifecrisis. Bis dahin hatte ich nie die Idee gehabt, mit Drogen zu experimentieren, aber als ich gefragt wurde, nahm ich das Angebot an. Die Erfahrung eröffnete mir ganz unerwartet eine Welt voller Verbundenheit, Liebe und ein tiefer Zustand des Bewusstseins ohne Ego, in dem ich meine eigenen Stärken und Schwächen anschauen konnte.

Es war ein Zustand der Selbstakzeptanz im wahrsten Sinne, in dem ich für immer hätte leben können. Danach fing ich an, nach einem erfahrenen Lehrer zu schauen, der mir helfen könnte, diesen Geisteszustand besser zu verstehen. Und zum Glück habe ich eine solche Person gefunden, durch den ich anfangen konnte, wirklich in Kontakt mit meinem wahren Selbst zu kommen.

2. Wenn du Probleme hattest: inwieweit hat dir die Psycholyse bei deren Bewältigung geholfen? Was ist der Unterschied zu anderen Therapien? Wenn nicht: welchen Einfluss haben die Erfahrungen auf dein aktuelles Leben?

Zu der Zeit, als ich zum ersten Mal in Kontakt mit MDMA kam, hatte ich zwei Jahre Psychoanalyse in Indien hinter mir und glaubte, dass ich die meisten, wenn nicht alle meine Probleme gelöst hätte. Nach meinem Gefühl, war mein Motiv, mich auf die psychedelische Arbeit einzulassen, tiefer in Kontakt zu kommen mit der spirituellen Dimension des Lebens. Im Zuge der Gruppenarbeit auf Basis von psychedelischen Substanzen sah ich aber, dass ich in der Tat bestimmte Gefühle nicht wahrgenommen hatte, z.B. meine Angst vor der Einsamkeit oder mein Neid auf die, anderen, den ich dann entdeckt habe. (Ich wuchs auf mit einer körperlichen Behinderung wegen einer Polio in früher Kindheit). Während einer der Sitzungen habe ich zum ersten Mal meinen begrabenen Hass auf „normale“ Menschen erkannt und wie sehr es mein Leben beeinträchtigt hatte. Im Laufe der Zeit und nach vielem Nachdenken, welches diese Arbeit verlangte, konnte ich diese und andere zwanghafte Gefühle hinter mir lassen und Vertrauen in mich selbst im eigentlichen Sinne zurückzugewinnen. Kurz gesagt, mein Leben wurde durch diese Arbeit verwandelt. Ich denke, dass die psychedelische Therapie einen tiefer in sich selbst führt, als jede andere Therapie. Meiner Meinung nach hilft sie, die Teile von sich selbst, die auf andere Weise nicht geöffnet werden können, zu öffnen.

3. Immer wieder liest man davon, dass Psycholyse Machtmissbrauch, Grenzüberschre- itung und Scharlatanerie bedeutet. Wie siehst du das aus deiner persönlichen Erfahrung heraus?

Im Bereich der psychedelischen Therapie, denke ich mir, dass die wirkliche Gefahr durch die Wahrheit entsteht, nicht durch Scharlatane. Die Wahrheit hat eine Art, unsere üblichen Begrenzungen und künstlichen Grenzen zu überschreiten, die wir für uns selbst eingerichtet haben. Die psychedelische Therapie konfrontiert uns oft mit unserem eigenen Gesicht, durch den Spiegel, den diese Stoffe uns vorhalten. Diejenigen, die nicht fähig sind zu akzeptieren, was sie sehen, sind diejenigen, die ihre schlechten Gefühle auf andere projizieren, insbesondere auf diejenigen, die den therapeutischen Prozess führen, von denen sie sich manipuliert fühlen. Solche Menschen finden es bequemer, die Verantwortung für ihre Entscheidungen anderen zu übergeben, als sie selber zu übernehmen. Wenn etwas in ihrem Leben schief läuft, ziehen sie es vor, sich selbst als Opfer und dem Therapeuten als Täter zu sehen. Ich habe großen Respekt vor den Personen, die diese Arbeit übernehmen, weil sie sich trotz des Risikos und trotz aller Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, weiterhin für diese Arbeit engagieren und versuchen, einen Raum zu schaffen, durch den ein Wandel in der Welt durch innere Transformation stattfinden kann.

4. Die Psycholyse bzw. die meisten dazu benötigten Substanzen sind ja verboten. Wie stehst du dazu?

Diese Dinge zu verbieten ist kontraproduktiv. Das habe ich von meiner Erfahrung gelernt. Im Fall von Stoffen mit therapeutischen Wert glaube ich dass, dass die Aufhebung des Verbots viele Probleme lösen würde. Diejenigen, die experimentieren wollen mit den verbotenen Substanzen, ob zum Spaß oder für ihr Selbstentdeckung, werden das sowieso machen, unabhängig von dem Verbot. Mittlerweile wurden viele ermutigt, denen durch diese Stoffe geholfen wurde, sich freier über ihre Erfahrungen zu äußern. Ich denke auch, dass die freie Verwendung der Stoffe den illegalen Handel und den Einsatz von minderwertigen oder schlichtweg falschen Medikamenten, welche die Pannen und Todesfälle verursacht haben, minimieren. Richtige Leitlinien für sicheren Verwendung von Stoffen könnten offiziell und frei verfügbar hergestellt werden. Diejenigen, die diese Substanzen verwenden wollen, wären dann in der Lage, angemessene Entscheidungen darüber zu treffen, wie sie sie nutzen sollten.

Uma Ranganathan (65), Kommunikationstrainerin

Wir verwenden Cookies, um Ihr Erlebnis auf unserer Website zu verbessern. Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Verwendung unserer Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Unsere Datenschutzerklärung mit weiteren Hinweisen befindet sich hier: Datenschutzerklärung.

Schließen